Spielball der Durchsagen

Die Liste der Fluggesellschaften, mit denen ich garantiert nie wieder fliegen werde, ist mal wieder um einen Namen länger geworden. Also die Liste der Fluggesellschaften, mit denen ich solange nicht fliegen werde, wie ich nicht irgendwo hinreisen will oder soll, wohin es keine akzeptable Alternative gibt.

Was akzeptabel ist, überlege ich mir im Einzelfall. Ja, gut, ehrlich sein: die Entscheidungskriterien werden die Zeit zwischen Abreise und Ankunft, die Zahl der Umstiege und der oberhalb der Jetzt-Buchen-Schaltfläche aufgeführte Preis sein. Und wenn ich dann noch eine Wahl habe, dann nehme ich eine Fluggesellschaft, über die ich mich noch nicht zu sehr geärgert habe, um dann per Code-Sharing doch mit einer zu fliegen, über die ich mich schon mal bis kurz vorm Platzen geärgert habe.

Im Rückblick war’s wie meistens eigentlich nicht ganz so schlimm. Aber während ich als Passagier den Durchsagen wehrlos ausgeliefert bin, ist es jedes Mal echtes Leiden, sei es Bus, sei es Bahn, sei es Flugzeug. Es war fast alles dabei: Verzögerung wegen Flugzeug-nicht-da (gibt es ein Bermudadreieck in der Ostsee?) , wegen Crew-Ruhezeiten, wegen eines technischen Problems am Flugzeug.

Die beiden letzten Punkte gestalteten sich so: Verspätung. Warten. Einsteigen. Warten. Durchsage. Kaffee. Warten. Neue Durchsage. Wieder aussteigen. Draußen weiterwarten. Wir sitzen und warten, sind dabei alles aber nicht Herr unserer Zeit und fühlen uns der Stimme aus dem Lautsprecher hilflos ausgeliefert. Wandeln Gutscheine der Fluggesellschaft in Kalorien in Form mäßig leckerer belegter Brote und Zimtschnecken um. Lesen. Unterhalten uns. Lesen. Einen ganzen Tag lang. Einen Tag, den der Wecker morgens um 5 Uhr eingeläutet hat und an dem dann … nichts passiert.

Nach neun Stunden hat die Warterei ein Ende, wir kommen immerhin noch bis Stockholm. Und tagsdarauf mit schlappen 26h Verspätung, was uns eine schicke Übernachtung mit nicht-so-gutem Abendessen aber leckerem Frühstück im Flughafenhotel in Stockholm eingebracht hat, durften wir schließlich nach unsanfter Landung am Heimatflughafen aus dem Flieger steigen.

Aber was SAS kann, kann der regionale ÖPNV schließlich erst recht, willkommen zuhause. Es sollte nach der Entgegennahme des Gepäcks (ja, mich hat es auch irritiert, dass es ankam), zügigem Gang zum S-Bahn Gleis und Lösen einer Fahrkarte, tatsächlich zweieinhalb Stunden dauern, bis sich der Schlüssel in der Haustür drehte.

Das ersehnte eigene Bett steht weniger als 30 km Luftlinie entfernt vom Flughafen Düsseldorf. Zur Erinnerung: DUS ist der drittgrößte (in manchen Listen auch nur viert~) Flughafen der Bundesrepublik und Düsseldorf ist die Landeshauptstadt des bevölkerungsreichsten Bundeslands. Eine gute Anbindung ans Stadtzentrum ist da doch selbstverständlich, oder? Es ist schließlich erst früher Sonntagabend und nicht mitten in der Nacht.

Wie, die S-Bahn zum Hauptbahnhof fährt halbstündig? HALBstündig?

Ja, halbstündig. Im Ernst. Die Anschluss-S-Bahn auch. Die jeweils maximal mögliche Verweildauer auf dem Bahnsteig ist einfach auszurechnen. Es ist auch leicht zu erraten, ob sie durch irgendwo im Dunstkreis des Hauptbahnhofs befindliche „Personen im Gleis“ wohl länger oder kürzer wird. Streng genommen hätten wir vermutlich das letzte Stück mit dem Bus gar nicht mehr fahren dürfen, weil die mühsam dem Automaten entrongenen Fahrkarten nur zwei Stunden lang gültig sind.

Vom Balkon aus kann ich bei nicht zu schlechtem Wetter den Tower des Flughafens munter blinken sehen. Munter? Eher Hämisch. Du denkst, er liegt quasi um die Ecke, er täuscht das aber nur vor und weicht immer weiter zurück, wenn man sich auf den Weg macht.

Ich sollte wieder aufs Land ziehen. Da ist der Nahverkehr zwar nicht besser, da erwarte ich das aber auch nicht.

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2 Kommentare

  1. Warten und/statt fliegen, das kenne ich auch. O.K, für Gewitter können die Fluggesellschaften wirklich nichts und wenn der Reiseanbieter in Konkurs geht während ich in Urlaub bin, hätte eine gründlichere Hintergrundrecherche meinerseits vielleicht gut getan…
    S- Bahn Anschluss Verbindungen für Heimreisende vom Flughafen: auch in Österreich ein Konzept der Kategorie „Kurzstrecken Sprint mit Überseekoffer – leider zu langsam!“
    Aber was muss man sich unter Personen IM (!) Gleis vorstellen? Ich hoffe nur einen Präpositionsfehler des Bahnangestellten?

    Gefällt 1 Person

    • Nein, das heisst bei der DB wirklich so. Ich glaube, es ist der offizielle Bahnsprech für Personen, die sich auf oder in der Nähe der Gleises aufhalten. Vermutlich meistens unbefugt, aber noch bevor es zum Personenschaden gekommen ist. Also noch kein Zug drübergefahren. Oder vielleicht auch Bahnangestellte oder Rettungskräfte nach dem Personenschaden. Dafür gibt es auch den Ausdruck auch Notarzteinsatz AM Gleis, das klingt in meinen Ohren stimmiger. Ich warte immer noch auf ein offzielles Durchsagen-Glossar der Bahn.

      Reiseanbieter in Konkurs ist wirklich großes Pech.

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