Vom Schreiben

Mit der Blogschreiberei ist es dünn geworden hier, es gibt verschiedene Gründe dafür. Dabei sind Blogbeiträge doch eigentlich so leicht und schnell geschrieben. Einen Gedanken festhalten, aufschreiben, ein oder zweimal an den Formulierungen feilen und den Beitrag in die Welt klicken. Konsequenzen, wenn der Gedanke doch nicht originell war, das Ganze sprachlich viel Luft nach oben hat und die Bebilderung auch nicht wirklich passend ist? Keine. Falls ich den Fehler mache, den Text später noch einmal zu lesen, kann ich mich ein bisschen selbst auslachen und ihn löschen.

Aber da sind dann noch die anderen Texte, die komplexen, die wichtigen, die mit den Konsequenzen. Die ich mit guter Motivation anfange zu schreiben. Zu deren Beendigung es dann etwas Disziplin braucht. Dabei habe ich aber mittlerweile raus, wie ich die tatsächlich erzwingen und nach einem festen Zeitplan schreiben kann. Dann geht das ganz fix. Da ist er dann, der Text, in voller Länge, alle Teile sind da. Eigentlich mag ich ihn ganz gern, vor allem die Zusammenfassung finde ich gelungen. Und die Einleitung liest sich schön klar und flüssig.

So, noch einmal alles lesen. Von vorn bis hinten, in einem Stück, mit größter Aufmerksamkeit. Bahnfahrten sind gut dafür. Ich bin ziemlich schlecht im Tippfehler finden, und an der Struktur kann man auch immer noch etwas verbessern. Aber irgendwann muss auch mal Schluss sein. Und es gibt noch die Koautoren oder den wohlgesonnenen Korrekturleser. Der findet es ganz gut, aber Tanja, an die Zusammenfassung, da musst Du nochmal dran. Das kommt das Wesentliche überhaupt nicht durch. Und der Aufbau, und diese Abbildung und jenes Kapitel. Und meinst Du nicht, da müsste noch folgende Diskussion dazu? Ja, schon, müsste, aber außer, dass wir nicht wissen, wieso das so ist, und man, um jenes zu messen, nochmal ganz vorn anfangen müsste, und das Experiment hätte ganz anders sein müssen als es war, gibt es da nichts zu diskutieren.

Ich fange an, den Text zu hassen. Nochmal überarbeiten, nochmal lesen. Eigentlich ist die Struktur total daneben, das muss man alles nochmal umstellen, aber dabei auf die Übergänge achten, das hat überhaupt keinen roten Faden und ist insgesamt viel zu lang.

Ich hasse den Text, vor allem die Zusammenfassung. Und die Einleitung ist eine Katastrophe. Nochmal eine Woche ablagern und Abstand zu den Formulierungen, die ich schon auswendig kann, kriegen. Nochmal Meinungen einholen. Kompromisse mit den Koautoren ausdiskutieren. Ich will dieses Geschreibsel nur noch vom Tisch haben und nie wieder lesen müssen. Aber es muss doch gut sein. Es ist ein wichtiger Text, einer mit Konsequenzen, mit drohender Ablehnung und Misserfolg. Die Zusammenfassung ist ganz wichtig und die Einleitung erst recht.

Der erste Satz ist der schlimmste. Banal und verallgemeinernd. Schon hundertmal so geschrieben. Die Plagiatsprüfung wird rote Ausrufezeichen weinen. Aber wie viele Varianten eines einleitenden Satzes zu einem Sachverhalt gibt es?

Es bleibt ein wichtiger Text, mit dem es doch anfangs auch ganz gut lief. Aber den ich mittlerweile so hasse, dass es mir jetzt in diesem Moment egal ist, was daraus wird. Hauptsache ich muss ihn nie wieder sehen. Weg damit, ab auf die Reise. Gut, es ist mir doch nicht egal, aber jetzt ist es wenigstens zu spät.

Der nächste Text wartet darauf geschrieben zu werden.

Ach ja, und am Ende des Semesters halte ich auch noch dieses Seminar. Das über wissenschaftliches Schreiben.

8 Kommentare

      • Stimmt. Aber in Seminararbeiten bedeutet er erstmal: „Habe schon wissenschaftliche Arbeiten [lies: Seminararbeiten von Kommilitonen] gelesen und dort diese coole Formulierung gefunden. So kann ich jetzt in angemessen gelehrtem Ton mitteilen, warum ich in diesem Referat nicht ALLES abhandele, was zum Thema gehören könnte.“

        Gefällt 1 Person

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