Winterlappland

Weil hierzulande Winter meistens eine trübe, matschige, regnerische Angelegenheit ist, haben wir uns, bevor es dann aber bitte richtig losgeht mit dem Frühling, noch für eine Kurzreise nach Lappland entschieden.

Schon der Hinflug in der hohen Norden war nicht ganz problemfrei, die Rückreise hatte es dann so richtig in sich. Der Teil dazwischen war perfekt. Wir waren samt Gepäck mit einer Stunde Verpätung in Luleå angekommen, wo wir am Flughafen abgeholt wurden. Der Rest der kleinen Reisegruppe war schon in der hübschen, genau zur deutschen Schwedenvorstellung passenden Ferienwohnung, wo wir für die erste Nacht noch bequem mit fließend heißem Wasser und Badezimmer einquartiert waren.

Vor die Freuden des Schneeschuhwanderns hatten die Götter am nächsten Tag erst eine lange Autofahrt gepackt, etwas länger als geplant, weil sich wegen der Schneelage kurzfristig das Zielgebiet geändert hatte. Mein Bedürfnis in einer Lawine zu enden, ohne vorher einen Reisebericht veröffentlichen zu können, ist äußerst gering,  es war also in meinem Sinne. Mittags ging dann los. Jeder ausgestattet mit einer Pulka für’s Gepäck, Rucksack auf dem Buckel und Schneeschuhen an den Füßen ziehen wir los, ein Stück Kungsleden zu bezwingen.

P1050777

Am ersten Tag haben wir Lappland wie aus dem Bilderbuch. Über uns blauer Himmel und weiß glitzernder Schnee knirscht unter den Schneeschuhen. Knirschen ist etwas zu wenig gesagt. Genaugenommen machen die Dinger auf dem festgetretenen Schnee richtig Krach. Ich kann noch nicht einmal hören, ob noch jemand hinter mir geht. Sollte mein Hintermann von einer Schneewehe geschluckt werden, werde ich es erst heute Abend bemerken. Die Spur ist gut ausgetreten, auch einige Schneemobile waren schon unterwegs, so dass die Pulka mit wenig Widerstand hinter uns herrutscht. Es fühlt sich an wie Fahrradfahren mit Anhänger, es ruckelt, zieht und schiebt immer mal wieder, man hat sich aber schnell daran gewöhnt.

Pünktlich zur langsamen Dämmerung erreichen wir die erste Hütte. Die ist gut besucht, und der Ofen brennt schon, als wir ankommen. Sobald jeder einen Schlafplatz hat, gibt es eine heiße Suppe, um den ersten Hunger zu besänftigen. Weil man beim Gehen zwar tüchtig ins Schwitzen kommt, stehend aber umso schneller friert, sind die Pausen unterwegs kurz, so dass es meist nur für einen Becher Warmes aus der Thermoskanne und einen Keks reicht.

Bald sind alle satt und zufrieden und langsam kehrt abendliche Ruhe in der Hütte ein. Einer aus unserer 5er-Gruppe schläft im dicken Schlafsack neben der Hütte im Zelt, und während ich nachts schlaflos einem eindrucksvollen Schnarchduett lausche, beneide ich ihn darum.

P1050959

Tag 2 beginnt harmlos, der Weg führt durch kahlen Birkenwald und über einen Fluss, aber bald geht es steil bergauf. Und weiter und weiter und weiter. Oben empfängt uns empfindlich kalter Wind und eine herrliche Sicht. Wir folgen einem Hochtal, es geht immer wieder über vereiste Seen, was man durch die Schneeschicht manchmal fast nicht bemerkt.

Und schließlich ist das Tagesziel in Sicht. Ist gar nicht mehr weit bis zur Hütte, denken wir, nur noch über einen langgezogenen See. Wie so oft täuscht das Auge, der langgezogene See ist genau das: lang. Mit keinem Schritt kommt die Hütte näher. Die weiße Fläche bleibt riesig. Der Wind ist eisig, die Hände werden kalt, die Hütte ist immer noch weit weg. Es kann nicht mehr weit sein, aber ich muss genau jetzt noch einmal stehen bleiben, Tee trinken und einen Keks essen, die letzte Pause ist einfach zu lange her. Und dann bin ich endlich am Seeufer, es geht noch einmal kurz bergauf, es locken Ofen, Abendessen und Sauna.

Tag 3 ist Ruhetag, das passt zum Wetter, der Wind pfeift garstig um die Hütte. Mit Skibrillen und dicken Handschuhen bewaffnet wagen wir einen Gang über den See, wo der Wind mittlerweile an vielen Stellen die Eisfläche blank geweht hat. Unser Ziel ist ein samisches Sommerdorf im Winterschlaf, und schon nach 5km treibt uns der Wind wieder in die Hütte.

Am nächsten Morgen teilt sich die Gruppe, die anderen wandern weiter, wir beide gehen mit Guide Anke in zwei Tagen denselben Weg zurück. Das i-Tüpfelchen des Rückwegs ist der steile Anstieg des Hinwegs. Das Zug-Gestänge wird zusammengeklappt und samt Schneeschuhen auf die Pulkas gepackt. Die machen sich nämlich auch als Schlitten hervorragend. Draufsetzten und runtersausen bis ins Birkenwäldchen. Dann ist es nicht mehr weit bis zur Hütte, den Rauch riechen wir schon, bevor wir die Unterkunft sehen.

Und auch der letzte Wandertag bietet noch einmal wunderschöne Ausblicke auf Seen und Berge.

Auf der Rückfahrt sehen wir von der Straße aus noch drei Elche, im Wald hatten wir schon reichlich ihre Spuren gekreuzt. Auch Rentiere waren in den Hügeln unterwegs. Nur Polarlichter gab’s in dieser Woche leider keine. Da müssen wir wohl nochmal winters in die hohen Breiten fahren.

Weil man nicht immer alles mit verträglichem Aufwand selbst organisieren kann oder möchte, haben wir bei dieser Reise das Rundumsorglospaket gebucht und uns vom Arctic-Mountain-Team Anke und Michael betüddeln lassen. Schön war’s!

Advertisements

Was meinst Du dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s