Herbst im Norden – stürmische Zeiten

Wohin fährt der Mitteleuropäer im Spätsommer in den Urlaub? Vielleicht nochmal ans Mittelmeer? Etwas Sonne tanken, und im Sommer ist es da ja auch viel zu heiß. Nun, Sonne hatten wir in den letzen Woche in den heimischen Gefilde mehr als genug, mir reicht’s mit dem Sonnencremegeschmiere. Also auf nach Norden, da war ich lange nicht und im Herbst noch nie. Värmland, wir kommen!

Die Anreise per Auto und Fähre verlief ereignislos bis zur Ankunft in Göteborg. Kaum dass wir von der Fähre gerollt waren, standen da gleich mal ein paar nette Herren vom Zoll, die sehr genau wissen wollten, wo wir wieso hin wollen, was wir da tun werden und was wir so alles im Kofferraum haben. Bitte mal öffnen. Und zwar nicht nur bei uns, sondern bei all den vielen Autos auf der Fähre. Dementsprechend langwierig gestaltete sich die Einreise. Hallo Schengen?

Als nächstes auf der Liste stehen Geld abheben und frühstücken. So weit gelingt es uns, uns an unseren eigenen Plan zu halten. Dann kommt das Wetter. Unsere Kanuverleiher schickten eine Nachricht, dass der Sommer in den kommenden Tagen vom ersten Herbststurm weggeblasen wird. Für uns heißt das, dass wir kein Kanu bekommen, weil es zum Paddeln zu windig wird. Hätten wir so vermutlich absehen können, dumm halt, wenn man von der Wettervorhersage nur auf die Angaben zu Temperaturen, Niederschlag und Bewölkung schaut. Die deutschen Nachrichten informieren in den folgenden 24h Stunden über Stromausfälle in Norwegen und die Einstellung des Fährverkehrs zwischen Schweden und Deutschland sowie die Sperrung der Brücke nach Dänemark. Ups.

Ratlosigkeit und etwas Frust machen sich breit. Das Ende der am Morgen in Göteborg gekauften Riesenzimtschnecke ist gekommen. Auch der Tag nähert sich bald dem Ende, heute ist das alles noch nicht so wild hier, also steuern wir einen Campingplatz am Vänersee an. Beim Abbiegen von der letzten größeren Straße packt mich das Déjà-vu: Hier war ich vor drei Jahren mit dem Fahrrad! Genau diese Straße bin ich langgeradelt! Da auf dem Radweg in den Wald! Schön war’s da, ich habe Pause am See gemacht und Zimtschnecken gegessen.

Am nächsten Tag bauen wir das Zelt morgens ab, weil wir keine Ahnung haben, wie’s weitergeht. Fürs erste hilft uns die nahe Touristeninformation: am Hunneberge könne man schön spazierengehen und Elche gäbe es da auch. Das mit dem Spazierengehen können wir bestätigen, auch wenn wir irgendwo ein Schild übersehen haben müssen. Aus dem Weg wird langsam ein schmaler Pfad dessen regelmäßige Benutzung durch Elche durch deren Hinterlassenschaften gut dokumentiert ist. Es geht durch ein sumpfiges Gelände, in dem mit Kiefern bewachsene Inseln liegen. Dazwischen ist es manchmal matschig, und wir springen immer wieder über kleine Gräben. Der eine breite Graben ist vermutlich auch kein wirkliches Hindernis, wenn man Elch ist und einem nasse Füße egal sind. Für uns heißt der Graben, dass hier die Querfeldeineinlage beginnt.

Irgendwann ist wieder breite Forststraße unter den Wanderschuhen. Links von uns tut sich eine fast komplett gerodete Fläche auf, auf der noch vereinzelt ein paar spargelartige Kiefern stehen. Eine davon ziemlich schief über den Weg geneigt, so dass wir darunter durch laufen. Am Rand der Fläche steht ein Hochsitz – hier jagt der schwedische König Elche – und der ist der perfekte Platz für die Mittagspause, auch wenn der Wind mittlerweile ziemlich stark ist.

Kaum sitzen wir da und essen im beginnenden Tröpfelregen unseren Proviant, neigt sich die schlagseitige Kiefer ganz langsam, gebremst vom Verharrenwollen des Wurzeltellers im Boden. Erstaunlich leise und unspektakulär schlägt sie auf. Quer über den Weg, wo wir vor ein paar Minuten gegangen waren. Hm.

Der Rest des Spaziergangs geht im strömenden Regen unter. Abends steht das Zelt ein paar Meter entfernt von da, wo wir es morgens zusammengefaltet haben. Für die Nacht sind Windböen bis 90 km/h vorhergesagt.

Dieser Teil des großen Campingplatzes ist weitgehend baumfrei, und sollte das Zelt, dessen Wetterfestigkeit wir bisher noch nicht oft ernsthaft getestet haben, nicht mitmachen, ist das Servicehaus mit beheizter Küche und Sitzecke nicht weit. Stabilität und Windfestigkeit war schließlich einer der Gründe das alte Zelt gegen genau dieses zu tauschen. Wir spannen alles ab, was geht, fast alle Heringe sind versenkt. Heute will ich’s wissen.

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