Seltsame Begegnungen mit Fremden (#2)

Die Gegend, in der ich zweitwohnsitzwohne, ist nicht unbedingt eine gehobene Adresse. Dem ortskundigen Gegenüber kann der Straßenname schon mal ein Stirnrunzeln entlocken, gar so wild ist es aber nicht. In der Straße gibt es auch nette Häuser und halt weniger nette, je nach Abschnitt. Aber so gelegentlich passieren doch mal Dinge, die so ein heile-Welt-Dorfkind wie mich irritieren. Einige irritierende Begebenheiten in der Vergangenheit sorgen zum Beispiel dafür, dass ich irgendwann anfing mein Fahrrad jeden Abend in den Keller zu tragen.

Und dann gab es da noch diese Begegnung:

Ich bin morgens auf dem Weg in die Richtung, in der ich meine, mein Auto geparkt zu haben. Meistens schaffe ich es, mir das über Nacht zu merken. Es ist Herbst, es ist kalt, aber es ist schon hell. Ein Mann kommt mir entgegen und geht direkt auf mich zu. In der linken Hand hat er eine Bierflasche. Er wirkt nicht bedrohlich. Er hebt die rechte, blutüberlaufene Hand und fragt mich, ob ich ein Taschentuch habe.

Ich schaue etwas verwirrt auf die Flasche, sie ist unbeschädigt und noch halb voll. Er spricht vielleicht ein bisschen undeutlich, aber betrunken scheint er nicht. Ich schaue auf die andere Hand und glaube nicht, dass ein Taschentuch da genügt. Ich gebe ihm das komplette Päckchen Papiertücher, das ich in meiner Tasche finde. Er nimmt es, und bevor ich mit der Frage, ob ich ihm sonst noch irgendwie helfen könne, fertig bin, hat er sich umgedreht und geht weg.

9 Kommentare

  1. Manchmal wünscht man sich einen Erklärbär, der einem die Geschichte erzählt zu dem, was man gerade gesehen hat. In unserer Wissensgesellschaft mit Google hinten und Google vorne irritiert es mich auch, wenn ich mal etwas nicht weiß und auch nicht herausfinden kann.
    Hoffentlich hatte der Mann keine ernsten Probleme.

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    • Vermutlich würde der Erklärbär einem dann oft erklären, dass etwas viel banaler ist als es aussieht. Aber manchmal wäre es sicher auch genau andersherum, so dass man vielleicht ob seiner eigenen Entrüstung über ein Verhalten ganz schnell ganz kleinlaut würde. Ich habe nach dieser Begegnung tatächlich ein paar Tage lang den Blaulichtteil der Lokalnachrichten etwas intensiver verfolgt, als ich das normalerweise mache.

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        • Einen nächtlichen Hubschrauber hatten wir vor einiger Zeit auch. Am nächsten Tag wurde dann klar, warum der unterwegs war, und es hat wohl niemand den Sinn dieses Polizeieinsatzes infrage gestellt. Aber in einer lokalen Facebookgruppe wurden Leute die sich (neutral und nicht abfällig oder kritisierend) nach dem nächtlichen Lärm erkundigten teilweise übel beschimpft, was ihnen denn einfiele, sich gestört zu fühlen, bloß weil morgens um 4h ein Hubschrauber überm Dorf kreist. Das fand ich dann auch reichlich daneben.

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          • Interessant! Auf die Idee, in Facebook nachzuschauen, bin ich gar nicht gekommen. Sicher gibts auch Gruppen für meine Heimatstadt und vielleicht hätte ich weniger über den Hubschraubereinsatz erfahren, als über Menschen, die sich dazu Gedanken machen. 😉

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  2. Ich habe neulich einen Betrunkenen gefunden. Der lag auf dem Boden. Die leute gingen einfach alle an ihm vorbei. Zum Glück war die Polizei in der Nähe das man denen Bescheid sagen konnte. Die kannten den Mann schon und wussten wo er hin gehört.

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