Wortperlen in der U-Bahn

Kabarettprogramm in der U-Bahn ist angekündigt. Und wie wir da so am Bahnsteig der U-Bahnstation stehen, schauen wir erwartungsvoll zu, wie ein kleines Grüppchen Aufstellung nimmt, mit Gitarre, Lautsprecher, Kabeln, Mikrofon. Ja prima, noch etwas Unterhaltung auf der Heimfahrt. Vielleicht gibt es auch Musik. Wir gucken immer wieder mal hin, aber wir wollen ja auch nicht zu neugierig aussehen. Vielleicht fahren die Kleinkünstler auch einfach nur nach Hause und wollen nach einem Auftritt jetzt ihre Ruhe haben und nicht angegafft werden. Wir steigen eine Tür weiter in denselben Wagen und warten erwartungsvoll.

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Die Truppe stöpselt Kabel, Papier wird herausgesucht, das Mikrofon funktioniert. Der alte U-Bahnwagen rappelt und rumpelt und klappert. Ziemlich laut hier. Der Vorleser fängt an, einen Text zu lesen.

Gleichzeitig wird der Wagen gestürmt. Junge Männern mit Krawatten in schwarzen Anzügen strömen laut johlend durchs Abteil und verteilen sich auf die reichlich vorhandenen freien Sitze.

Abifeier grölen sie und schwenken 1,5l Flaschen Koffeinlimo. Koffeinlimo? Scheint so. Aber vielleicht ist auch was anderes drin.

Der Vorleser liest seinen Text. Wir verstehen kein Wort.

Abifeier grölen sie weiter, und ich bin froh, dass ich woanders unterrichte und auch erst höhere Semester.

Wir rücken etwas näher an den tapfer vorlesenden Vorleser und verstehen weiter kein Wort.

Auch der Gitarrist müht sich tapfer.

Im Gejohle und Gegröle und Gerappel und Gerumpel und Geklapper ist kein Wort und kein Ton zu verstehen.

Der Vorleser liest vor. Er wirft beharrlich seine Wortperlen in den U-Bahn-Waggon. Ich bewundere ihn dafür. Ich habe kein Wort verstanden. Aber er hat es durchgezogen. So sollte das sein, wenn man meint, etwas zu sagen zu haben.

Er belohnt uns für den Versuch zuzuhören mit einer gedruckten Kostprobe zum Daheimlesen. Alexander Bach ist der Name des Vorlesers. Vermutlich hatte er sich seinen U-Bahn-Auftritt andersvorgestellt.de

Ende des Werbeblocks – aber das passt hier einfach zu gut.

Ob seine Texte gut sind? Ich habe ja nichts verstanden. Aber fahren Sie doch einmal in Bochum mit der U-Bahn und lauschen, ob noch ein Echo zu hören ist.

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