Prokrastinationsversagen

Meine Strategie hat versagt, ich stehe vor dem Nichts, die Situation ist nahezu ausweglos.

Vor mir liegt ein beschriebenes Blatt Papier, es ist meine Aufgabenliste der vergangenen Woche. Das meiste darauf ist durchgestrichen, ich war zuletzt sehr produktiv und habe einiges erledigt, auch aufwendigeres, was bereits länger auf der Liste stand. Manche Kleinigkeit hat sich auch von selbst erledigt, liegenlassen kann helfen.

Ein Punkt ist offen. Einer. Ein einziger. Eine Sache, die ich seit Wochen mit durchschleife und hinter anderen Aufgaben verstecke.

Meistens funktioniert dieser Ansatz hervorragend. Ich fahre eine produktive Vermeidung und arbeite Punkt um Punkt ab. Die Punkte werden normalerweise nicht weniger, weil immer etwas nachkommt, das getan werden will oder soll oder sogar muss. Irgendwann kommt etwas, das ich eine Weile vor mir herschieben möchte, dann erledige ich endlich auch das, was ich zuletzt geschoben habe. Falls es denn immer noch getan werden will, soll oder muss.

Aus sollte ist muss geworden. Noch nicht einmal müsste, sondern muss. Der Verweigerungsreflex im Hirn löst einwandfrei aus.

Ich bearbeite ein paar Messdaten. Grafiken aus Messdaten gehen immer, es ist inhaltlich anspruchsvoll, zeitaufwendig, und ich habe dabei oft gute Ideen. Oft im Gegensatz zu jedes Mal. Heute ist nicht oft. Ich fange an, eine Publikation zu lesen, zu lesen gibt es auch immer, und stoße schnell auf zitierte Publikationen, die ich zum späteren Lesen ausdrucke. Manchmal erhält man beim Lesen gute Denkanstöße, ich mache ein paar Notizen für später. Ich sortiere eine Festplatte und mein E-Mail-Postfach. Manchmal finde ich darin harmlose Aufgaben, die ich mal zwischendurch erledigen kann. Aber nur, wenn ich gerade keine Zeit dafür habe, heute sind sie so rar wie Steinpilze im Februar.

Draußen türmen sich Gewitterwolken und es donnert in der Ferne. Ich könnte mit guten Vorsätzen nach Hause gehen und auf eine nächtliche Eingebung im Schlaf hoffen, aber das hat gestern schon nicht geholfen.

Ich schreibe nach langem Nachdenken, eigentlich ist es viel zu heiß zum Denken, eine neue Aufgabenliste, bin aber nach dem zweiten Punkt damit fertig. Die zweite Zeile ist ein ebenso dicker Klops wie die erste. Der zweite Klops ist nicht so dringend, aber er ist trotzdem keine Alternative. Ich weiß gar nicht mehr, was ich zuerst vermeiden soll, und damit läuft mein gewöhnlicher Arbeitsansatz mit Lichtgeschwindigkeit ins Leere. Ich sitze bewegungsunfähig vor meiner Liste wie Buridans Esel.

Ich spreche das Wort aus: Schreibblockade. Ja, das haben auch Nicht-Schriftsteller. Ich nämlich. Jetzt.

Wo ist eigentlich mein Chef, wenn ich mal jemanden bräuchte, der Arbeit verteilt?

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