Oh Wien!

Oh Wien, Du Schöne!

Wie oft sind wir uns schon begegnet, meistens dienstlich, aber dennoch einander wohlgesonnen. Dann aber, vor ein paar Jahren, haben wir uns aus den Augen verloren. Wie lange war ich nicht hier, dabei warst Du immer gut zu mir. Ich kenne auch Dein Januargrau, aber komme ich wie schon so oft im April, lächelst Du mir freundlich zu und begrüßt mich mit blühenden Kastanien unter blauem Himmel. Wie oft war ich schon hier und weiß immer noch nicht, welchen Kaffee ich bestellen soll, wenn ich im warmen Frühlingssonnenschein in der Mittagspause draußen sitze.

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Frühlings ist’s? Was muss ich vernehmen? Kein blaues Band, nein grau die Donau fließt, kein laues Lüftchen.

Oh Wien, Du Grausame!

Wie hast Du mich heuer enttäuscht. Ja, ich weiß, das Auffrischen alter Liebe ist ein gewagtes Unterfangen, und nicht an jede frühere Freundschaft lässt sich nahtlos anknüpfen, als sei keine Zeit vergangen. Aber was sind die paar Jahre gemessen an allem was Du schon erlebt hast? Nach einem zuerst freundlichen Empfang ziehst Du nun doch beleidigt den grauen Schleier über und lässt mich draußen frieren. Wie hatte ich mich auf Dich gefreut, hatte mir vorgestellt, wie wir beide Erinnerungen wieder aufleben lassen, in der Mittagspause, draußen, bei Kaffee und Nussbeugerl im Sonnenschein unter den Kastanienblüten. Dass Du mich nun so zurückweist, das ist hart zu ertragen.

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Nun, gut.

Wie Du es willst, ich bleibe nicht, ich reise ab. Vielleicht bist Du mir wieder freundlich gesonnen, wenn ich nächstes oder übernächstes Jahr wieder komme. Dann, im April, können wir bei Kaffee im Sonnenschein unter den Kastanienblüten …

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7 Kommentare

  1. Schöne, persönliche Liebeserklärung an die Stadt, trotz der schweren Beziehungskrise. Manchmal muss man ja auch im Streit auseinander gehen, um nach dem „Donnerwetter“ und der „schwarzen Unwetterwolken in der Luft“ wieder bereinigt und neu aufeinander zu zu gehen. Liebe Grüße, Jo 😀

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  2. Ach, schön 😉 Ich hab auch mal eine Art Liebeserklärung an meine Lieblingsnichtheimatstadt geschrieben. Anlässlich eines Besuches, wo sie sich scheinbar ausnahmsweise nicht von ihrer besten Seite mir gegenüber gezeigt hat. Stimmte aber eigentlich gar nicht. Und ich fahre auch wieder hin 😉

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