Vor der Haustür

Die Jungs von 1 THING TO DO haben dazu aufgerufen, doch mal nicht in die Ferne zu schweifen, sondern zu schauen, was es vor der eigenen Haustür zu entdecken gibt. Für so einen standorttreuen, heimatverbundenen Menschen (Ihr dürft lachen) wie mich natürlich überhaupt kein Problem.

Ja welche Haustüre nehme ich denn? Die meines Hauptwohnsitzes? Die meines Zweitwohnsitzes? Die eines früheren Wohnorts? Und ein paar Bilder zur Illustration soll’s auch noch geben.

Ich habe mich für den Disibodenberg entschieden, der mir bis vor meinem Umzug vor einigen Jahren immer mal wieder einen Tagesausflug wert war, weil ich mich so gefreut habe, als ich beim Nachdenken die Fotos von dort wiederentdeckt habe. Außerdem bietet der Disibodenberg die perfekte Mischung aus wunderbarer Landschaft und historischer Bedeutsamkeit, so dass er sowohl für den Naturliebhaber als auch für den kulturell Interessierten einen Umweg wert ist.

Wir sind an dem eher unbekannten Flüsschen namens Glan unterwegs, auf dem es sich, ganz nebenbei, auch gut einen Nachmittag lang paddeln lässt. Auch die Nahe ist nicht weit entfernt, wie ihr Name schon sagt. Die ist sehr zu empfehlen zum Entlangradeln, wenn man mehr als einen Nachmittag Zeit hat, vor allem der obere Teil. Und für die Nahemündung in Bingen könnt Ihr von mir aus das ganze Deutsche Eck geschenkt haben. Nur ohne Reiterstandbild.

Aber so weit sind wir noch nicht. Bevor die Nahe dem Rhein nahe kommt, mündet erst einmal der Glan in sie hinein. Und kurz bevor er das tun kann, muss er noch im Osten um einen Hügel herumfließen. Das ist der Disibodenberg, von dem aus man eine wunderbare Aussicht genießt. Ach ja, und Wein gibt es dort natürlich auch.

Wunderbare Aussicht ins Flusstal und Weinberge gibt es auch anderswo vor anderen Haustüren. Aber dass es hier so ganz besonders schön ist, dass wussten wohl schon Kelten und Römer, von denen heute aber zumindest für den Laien nichts mehr zu sehen ist. Später, das war wohl im 7. Jahrhundert, erkannte es ein weitgereister Heiliger mit dem populären Namen Disibod, auf den der heutige Name des Hügels zurückgeführt wird. Damit beginnt die christliche Geschichte des Ortes, und ab dem 10. Jahrhundert ging es dort richtig rund.

Historisch bedeutsam wurde es im Jahre 1106, als die später Hildegard von Bingen genannte Nonne in die Frauenklause des Klosters kam. Die historische Bedeutsamkeit der Hildegard kam zwar erst etwas später, aber irgendwann musste es ja mal anfangen, eben 1106. Ende des 13. Jahrhunderts ging es dann bergab mit dem Kloster. Vor allem im übertragenen Sinne, aber auch der ein oder andere Stein fand wohl bei der späteren Ausbeutung des Klosters als Steinbruch den Weg nach unten ins Tal. Wer das alles  detaillierter und sachlich fundiert wissen möchten, lese es am besten bei den Fachleuten nach: www.disibodenberg.de.

Heute ist das ehemals wichtige Kloster eine sehr sehenswerte Ruine im Wald, die ich jedem, der in der Gegend vorbeikommt oder dort wohnt und tatsächlich noch nicht da war, für einen Besuch wärmstens empfehlen möchte.

Und wenn Ihr mit dem Spaziergang durch die kaputten Gemäuer fertig seid, dann fahrt Ihr am besten nach Bad Sobernheim oder ins hübsche Meisenheim und trinkt dort einen Kaffee und esst Kuchen oder trinkt Wein und esst eine(n) Brezel dazu.

Wenn ich es mir recht überlege, ist es so weit weg doch eigentlich gar nicht. Und ich war lange nicht mehr da …

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5 Kommentare

  1. Hallo Tanja,
    das klingt auf jeden Fall super 🙂 Ich selbst muss mich immer echt zwingen, den Schweinehund zu überwinden und das Sofa zu verlassen. Dabei lebe ich echt in einer Stadt, in der andere Urlaub machen… Hamburg! Für die Blogparade von 1 Thing to Do habe ich daher mal eine ganze Liebeserklärung an die Hansestadt verfasst 😉

    Viele Grüße
    Imke

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  2. Das ist schön; wie schön, sieht man ja meist erst, wenn andere Leute schöne Fotos davon machen. (Die Gegenden, durch die man als Grundschulkind bei ausflügen getrieben wurde, lernt man überhaupt erst so schätzen. .))

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  3. […] Beim Thema unserer Blogparade schossen ihr erstmal folgende Fragen in den Kopf: „Ja, welche Haustüre nehme ich denn? Die meines Hauptwohnsitzes? Die meines Zweitwohnsitzes? Die eines früheren Wohnorts?“ – Entschieden hat sie sich schließlich für einen Bericht über den Disibodenberg in einer der besonders malerischen Landstriche von Rheinland-Pfalz. • Mehr erfahren […]

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