Neuseeland #7 – Unfreiwilliger Urlaub vom Wohnmobil

Gestern Abend fing unser Wohnmobil an zu knirschen. Beim Hoppeln über den Schotterplatz, der unser Parkplatz für die Nacht werden sollte, war es nicht zu überhören. Der Ingenieur wirft einen Blick mit der Taschenlampe unters Auto und steht mit Sorgenfalten auf der Stirn wieder auf. Vorläufige Diagnose: Stoßdämpfer. Naja, heute Abend ist eh nichts mehr zu retten, wir sind froh einen Stellplatz zu haben, der Platz ist ziemlich voll. Also Abendessen und morgen weitersehen.

Natürlich ist vom Drüberschlafen nichts besser geworden. Beim Losfahren knirscht es wie gehabt. Also gut, wir fahren in den Ort zur Information, erkundigen uns nach Möglichkeiten zum Paddeln und rufen unsere Autovermietung an. Das Prozedere kennen wir schon, Wohnmobil hat uns letzte Woche schon mit einer Warnleuchte überrascht, von deren fröhlichem gelben Leuchten begleitet wir seitdem munter durch die Gegend fahren. Ist aber alles ganz entspannt, wo seid ihr, welches Problem habt ihr, hier ist die Adresse einer Werkstatt, fahrt da hin.

Eine Viertelstunde später stehen wir auf dem Hof einer Werkstatt mit Tankstelle, die so aussieht, dass man eigentlich erwartet, der Mechaniker werde gleich irgendein ölverschmiertes Teil hervorziehen und daraus einen neuen Stoßdämpfer improvisieren. Macht er dann aber doch nicht. Er macht erstmal eine Probefahrt und bestätigt die Diagnose meines Ingenieurs. Das Ersatzteil kommt morgen per Kurier aus Auckland. Wir können für den Tag ein Auto bekommen und können das Wohnmobil an der Tankstelle stehen lassen und nachts auch darin schlafen, Toilettennutzung und Strom inklusive. Wer hätte gedacht, dass Urlaub so einfach sein kann.

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Während unser Auto zerlegt wird, geht es für uns aus ganz neuer Perspektive im Uralt-Toyota weiter nach Marahau, dem Eingang zum Abel Tasman National Park. Wir sind mal wieder unentschlossen und unorganisiert, schaffen es dann aber doch noch, ein Kayak für den Nachmittag zu bekommen. Nach einer grönlandtauglichen Überlebenseinweisung, die angesichts der friedlichen Bucht etwas übertrieben wirkt, dürfen wir dann los, paddeln an den bewachsenen Granitfelsen entlang, sehen Seehunde und Kormorane bis der Nachmittag auch schon um ist, und wir zurück müssen. Zeit für eine Kekspause am goldenen Sandstrand ist aber doch. Mittlerweile ist Ebbe und die Kajaks werden mit Traktoren ans Land geholt. Wir dürfen aber zu Fuß gehen.

Die Nacht verbringen wir in Riwaka an der Tankstelle, im vorderradlosen Wohnmobil. Bis auf den LKW, der nachts mit laufendem Motor Diesel nachfüllt, ist es bis zum frühen Aufstehen weitgehend ruhig. Das Ersatzteil ist morgens noch nicht da, wir dürfen aber nochmal mit der Klapperkiste losziehen und uns einen schönen Tag machen. Vermutlich, damit wir in der Werkstatt nicht rumnerven. Uns ist es aber auch am liebsten so.

Genau das tun wir also auch, nämlich losziehen. Wir fahren wieder Richtung Nationalpark und gönnen uns einen Kaffee mit Meerblick, während wir auf das Wassertaxi warten. Die Abfahrt des Wassertaxis erfolgt per Traktor, Dry-Boating nennt der Bootsführer das. Man könnte die paar Meter auch laufen, aber das will man der Kundschaft anscheinend nicht zumuten. Nach eine kurzen Fahrt durch den Ort, wird das Boot dann samt Passagieren ins Wasser rutschen lassen.

Die gestern per Armkraft langsam bepaddelte Küste saust heute nur so vorbei. Eine Bucht später lassen wir uns aussetzen. Vor uns liegen nun ca. 12 km Küstenwanderweg. Und die fangen zackig an, die erste Viertelstunde geht es bergauf, der Rest des Weges geht dafür dann im Wesentlichen nach unten. Dazwischen gibt es Waldpfade, Ausblicke auf die hübschen Buchten mit dem blaugrünen Wasser, und wir machen auch eine Pause an einem der vielen Strände. Es ist warm, die Sonne scheint und ganz unbemerkt ziehen langsam die Wolken auf. 1km vor dem Ende des Weges beginnt es dann zu regnen. Warmer Regen, also nicht sooo lästig.

Als wir zur Tankstelle zurückkommen, ist das Wohnmobil repariert, und wir machen uns wohlgemut im Regen auf den Weg nach Picton. Morgen geht es mit der Fähre zur Nordinsel.

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3 Kommentare

    • Ja, beim ersten Problem mit der Lampe war ich doch sehr nervös, dass wir jetzt irgendwo stranden, was dann aber nicht passierte, und die Stoßdämpfersache hat super geklappt, weil der Werkstattinhaber ernorm hilfsbereit war.

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