Darf das stören?

Nicht mehr ganz zwei Stunden bis zum Aufstehen. Früher als sonst und außerdem mag ich Aufstehenmüssen im Dunkeln nicht. Ein tiefes Brummen am Himmel erklärt die ohnehin kurze Nacht jedoch für vorzeitig beendet. Ein Hubschrauber fliegt über’s Tal, hin und her, immer wieder. Für so etwas gibt es hierzulande meist gute Gründe, vielleicht bangt jetzt irgendwo auf einem kahlen Flur ein Elternpaar und ist irgendwo im Wald ein Kind nicht sicher, was jetzt eigentlich schlimmer wäre, gefunden zu werden oder nicht.

Ich hadere mit dem Schicksal, rolle innerlich mit den geschlossenen Augen und wünsche mich egoistisch in den Schlaf zurück. Der Ingenieur geht zum Fenster und stellt fest, dass da ein Hubschrauber hubschraubt. Ahja. Bis dann irgendwann doch wieder Ruhe einkehrt. Noch etwas über eine Stunde bis zum Aufstehen. Reicht gerade zum Wiedereinschlafen.

Manche Fehler mache ich unverbesserlich einfach immer wieder. Dazu gehören das Lesen von Kommentaren auf  Nachrichtenseiten und bei Facebook. Und natürlich kommt bei letzterem im Laufe des Tages in einer Gruppe die unvermeidliche Frage, was das denn gewesen sei mit dem Hubschrauber, der da nächtens überm Dorf seine Bahnen flog. Neugier, die ich teile und für berechtigt und unverfänglich halte. Gaffen oder Gerüchte verbreiten, wenn etwas Schlimmes passiert, finde ich verwerflich, später wissen wollen, was los war, halte ich aber für grundsätzlich in Ordnung. Die gesamte Presse lebt von diesem Wissenwollen.

Auch ich weiß also gern, was in meiner Umgebung passiert, deswegen lese ich in dieser Gruppe, und lese dankbar die sachliche Information eines wohlinformierten Gruppenmitglieds. Es ist nicht schön, was da passiert ist, niemand würde infrage stellen, dass jedweder Lärm vollends berechtigt war. Hier könnte die Diskussion mit einem Dank an den Informationsgeber beendet werden, und ich hätte aufhören sollen mit dem Lesen.

Den Nebenstrang über den Hubschraubertyp finde ich noch amüsant. Hätte ich Ahnung von Hubschraubern, hätte ich dazu vielleicht auch einen Kommentar. Da ich es für gut halte, wenn Leute ohne Ahnung, Themen, von denen sie keine Ahnng habe, nicht kommentieren, habe ich keinen.

Der Seitenast mit Garstigkeiten über Rechtschreibung müsste dagegen nicht sein. Tippfehler passieren jedem irgendwann, in diesem Beitrag sind vermutlich mindestens zehn, die ich mehrmals überlesen habe. Manche sind peinlich oder sinnverdrehend, in diesem Beitrag hoffentlich keine, aber letzteres nach meiner subjektiven Wahrnehmung in Zeiten von Autokorrektur und Tippen auf Minidisplays immer mehr. Wirklich fatal finde ich das bei Menschen, die mit Schreiben ihr Geld verdienen. Bei Nachrichtenschreibern machen mich falsche Grammatik und Rechtschreibung wütend. Vermutlich ist auch kaum jemand dagegen gefeit, ein mit schlechter Rechtschreibung dargebrachtes Argument weniger ernst zu nehmen als ein korrekt geschriebenes. Manchmal liefert es vielleicht die Steilvorlage für eine augenzwinkernde Bemerkung. In allen anderen Fällen wäre es aber genug, das „Lern Du erstmal schreiben …“ nur zu denken.

Noch weniger amüsant ist ein anderer Teil der Kommentare. Da wird einiges interpretiert und unterstellt, die völlige Entgleisung bleibt zwar zum Glück aus; in meiner persönlichen Facebook-Filterblase ist der Ton im allgemeinen nicht allzu rauh. Natürlich ist es erstmal egoistisch, einer Stunde Schlaf nachzutrauern, wenn anderen Menschen etwas Schlimmes zugestoßen ist. Aber ist das wirklich so verwerflich? Vielleicht bekommt da jemand eh schon wenig Schlaf, war wegen eines anstehenden Termins eh schon nervös, musste ein schreiendes Kind beruhigen oder, oder, oder.

Es gibt viele ähnliche Situation, manche dramatisch, manche im Grunde doch harmlos. Eine Frau, die ihr Gegenüber in der S-Bahn wegen einer versehentlichen Berührung rundmacht und dann doch um Entschuldigung bittet, sie habe einen unangenehmen Tag gehabt. Mit Schmerzen oder Fieber im Arztwartezimmer sitzend ist es nach Stunden des Wartens schwer auszuhalten, wenn da ein Kind vor sich hinsingt oder Bauklötze gegen den Tisch schlägt, auch wenn da eigentlich nichts gegen zu sagen ist. Wenn man es eilig hat, ist der Langsamgehende plötzlich ein Hindernis und die ausgefallene U-Bahn ein persönlicher Angriff des Universums.

Natürlich kann man von einem Erwachsenen dann erwarten, dass er sich mal zusammenreisst. Der andere Erwachsene könnte aber auch fünfe gerade sein lassen und es stehenlassen, wenn er es nicht schafft. Es gäbe dann vielleicht weniger Missverständnisse.

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