Hessisches Schwein vom Mittelmeer

Auf den Internetseiten der Hessenschau finden sich regelmäßig Rezepte regionaler Spezialitäten aus diesem schönen Bundesland. Obwohl unweit davon geboren und einige Jahre lang Bürger desselben, sind mir die meisten davon gänzlich unbekannt. Was vermutlich auch mit meiner nicht so großen Wertschätzung der zugegeben vielseitigen Verwendung des Schweins als Nahrungsmittel zu tun hat. Tatsächlich schätze ich viele aus diesem Tier zubereitete Wurst- und Fleischwaren nur wenig.

Nun präsentierte die Seite just dieser Tage das Rezept für nordhessische Ahle-Worschd-Kreppel (die Schreibweise habe ich mir erlaubt an meine eigene Aussprache anzupassen)

— Schnitt —

Zwecks Einweihung einer neu gekauften Backform buk ich einen Rotweinkuchen. Nach Mutters strengster Geheimhaltung unterliegenden Geheimrezept.

Was das mit deftigen Hessen zu tun hat? Nichts. Es war einfach Bestandteil der Chronologie. Über das Ergebnis möchte ich hier kein weiteres Wort verlieren, es wäre zu demütigend. Nur soviel, kalorienreicher Trost war danach nicht unangebracht.

Bei der Entnahme der Eier für den Kuchen offenbarte der Blick in den Kühlschrank eine langsam prekär werdende Nahrungssituation, in der gleichwohl einige Insassen schon länger ihrer ungewissen Zukunft entgegensahen, sobald das Licht anging. Bei geschlossener Kühlschranktür sahen sie vermutlich nichts und waren auf das Hören angewiesen. Unter anderem handelte es sich um ein Stückchen spanischer Chorizo sowie ein deutsches Bioei aus Nordrhein-Westfalen.

Und genau diese Komponenten passten hervorragend zu den Ingredienzien des Kreppel-Rezepts. Also zumindest wenn man mit einer gewissen Flexibilität gesegnet ist, die es erlaubt, gehäckseltes, getrocknetes nordhessisches Schwein mit gehäckseltem, getrocknetem spanischen Schwein in Äquivalenz zu setzen. Nun umfassten die beklagenswerten Reste jedoch nur ein unverplantes Ei sowie ca. 50 g Salamiartige, was eine Skalierung mit großzügigem Aufrunden bei der Fleischzutat erforderte. Aber wir sind ja geistig flexibel.

Das Ergebnis der Rechnerei ist mit meinen Änderungen dann diese Zutatenliste:

  • 40 g gesiebtes Mehl
  • 60 ml Wasser
  • etwas Salz
  • 1 Messerspitze Backpulver
  • 25 g Butter
  • 1 Ei
  • 50 g Chorizo
  • 3 Esslöffel geriebenen Käse

Nun bringe man Wasser, Butter und Salz zum Kochen, nehme das Kochgefäß vom Herd und rühre erst das Mehl hinein und dann das Ei. Psst – es geht auch mit ungesiebtem Mehl. Mit dem Salz sollte man je nach der Geschmacksintensität weiterer Zutaten sehr vorsichtig sein.

An dieser Stelle ist der geeignete Zeitpunkt um die spätnachmittaglich sonnendurchflutete Küche zu verlassen, durch den Flur zu rennen und mit der Zweitkamera ein überbelichtetes Foto vom gerade verblassenden Regenbogen zu machen:

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Gemessenen Schrittes kehre man in die Küche zurück, wo der Teig mittlerweile abgekühlt ist und bereit für die Wurst. Und weil grüne Punkte so schön aussehen, kann auch ein wenig Petersilie doch eigentlich nicht schaden.

Was liegt denn da noch im Kühlschrank rum? Ein Italiener? Eher ein kläglicher Rest eines solchen, nämlich eines ehemals stolzen Parmigiano-Laibs. Ich bin mir sicher, dass spanische Schweine italienischen Parmesan lieben. Also?

Und am Ende kommt auch noch eine Messerspitze Backpulver in den mittlerweile kalten Teig. Laut Rezept reicht der Teig für 50 Kreppel, ich habe aus meiner Menge zehn Stück aufs Blech gelöffelt.

Nach 25 Minuten bei 175 Grad Umluft waren sie fertig. Und sie sind kein schlechter Trost, wenn man gerade einen Rotweinkuchen vergeigt hat.

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