Gut, dass das Internet doch noch nicht alles über mich weiß

Mit der Prüfkiste habe ich neulich darüber diskutiert, wie beängstigend es ist, wie viel soziale Netzwerke über ihre Nutzer wissen. Auch ich hatte durchaus schon Erlebnisse, die mich diesbezüglich zum Nachdenken gebracht habe. Da finde ich es doch immer wieder beruhigend, wenn Facebook und Co. mit ihren Vorschlägen so richtig daneben liegen.

Zum Beispiel immer wieder bei Gruppen und Seiten, von denen die vermeintlich allwissende Datenkrake glaubt, ich könnte sie interessant finden:

Freunde diverser Hundetypen, darunter Pekinesen und Bulldoggen. – Ich bin eher kein Hundefreund, Ausnahmen mache ich nur für einzelne handverlesene Individuen.

Rollenspielgruppen – Hm ja, eins Eurer 25.000 Mitglieder ist eine Schulfreundin von mir, und ich kenne darüber hinaus weitere Menschen, die sich für Rollenspiele begeistern. Trotzdem habe ich noch nie in meinem Leben ein Rollenspiel gespielt und habe keine Ahnung, worum es dabei eigentlich geht.

XYZ Haarstudio – Man sieht es mir nicht sofort an, aber auch ich gehe regelmäßig zum Haareschneiden. Etwa einmal pro Jahr. Ab und an lasse ich auch mal einen Termin aus. Welches Haarstudio sollte mich da nicht zum Kunden wollen?

Wladimir Putin – Wie jetzt? Sollte ich mir Sorgen darum machen, was die Menschen mit denen ich irgendwie verknüpft bin, so alles anklicken?  Ich finde die EU im Prinzip eine gute Erfindung und bin überzeugt von den Vorteilen visafreien Reisens in der ganzen Welt, von der Trennung von Kirche und Staat, von der Freiheit von Forschung und Lehre, von der Gleichberechtigung der Frau, finde dass jeder jeden heiraten sollen dürfte und denke, dass der Rechtsstaat im Großen und Ganzen eine gute Sache ist, kleine Mängel nicht ausgeschlossen. Habe ich da irgendeine Ironie nicht verstanden?

„Für Deinen Aufenthaltsort ist morgen schönes Wetter vorhergesagt – Genieß die Sonne“ – Ich habe die neuere Wettervorhersage gelesen. Die Sonne hat widerrufen, der Nebel wird siegen. Nebula venit, vidit, vicit.

Und an das Einkaufsportal: Ja, ich habe kürzlich ein xy gekauft. Der aufmerksame Beobachter könnte daraus schließen, dass ich das xy jetzt vermutlich habe und nicht mehr brauche.

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8 Kommentare

    • Ja, vieles daran ist beängstigend. Ich schreibe deswegen auch nirgendwo etwas, was ich nicht auch öffentlich auf der Straße mit meinem vollen Namen unterschrieben zu sagen bereit wäre.
      Und bei vielem, was derzeit an neuer Vernetzung beworben wird, ist mir schlicht nicht klar, wo da ein Nutzen für mich sein sollte.

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      • Nur Dinge zu behaupten, hinter denen du stehst, ist eine Sache. Wobei einem ja auch bereits daraus ein Strick gedreht werden kann. In der Kommunikation kommt halt nicht immer das beim Empfänger an, was der Sender meinte.
        Aber es gibt ja auch noch die richtigen Bad Guys. Die sich irgendwo „einklinken“, „alternative Fakten“ schaffen, um es mal halbwegs tagesaktuell zu formulieren, und andere sich fragen, was von dir zu halten ist, während du noch nicht einmal weist, wovon geredet wird.
        Verdächtig ist es m.E. schon, wenn Dinge im Internet „kostenlos“ angeboten werden (wie auch wordpress, wobei ich denen außer Werbung nichts Bösartiges unterstelle), ohne zu wissen, welchen Preis man dafür zahlt. Anders herum amüsiert es mich gerade, wie sehr eine Schöpfung von mir (bitte nicht als Werbung auffassen; soll nur der Nachvollziehbarkeit dienen 😉 : https://play.google.com/store/apps/details?id=de.dirk_prueter.shoppinglist) auf Interesse stößt, die genau dies ausdrücklich beziffert. Nun mag es im konkreten Fall daran liegen, dass die Ursache eine ganz andere ist, kann aber ebenso sein, dass Transparenz (noch) nicht gefragt ist – bislang fanden sich etwa 40 Interessenten sowie unter diesen ein (!) „Unterstützer“.

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        • Die App ist so ein Beispiel von etwas, das Du mir nur schwer verkaufen könntest, weil ich den Aufwand, etwas in mein Telefon zu tippen als viel größer empfinde als einen Zettel zu schreiben und ich nur seltenst nichts zu schreiben dabeihabe.

          Ich muss zugeben, dass ich auch nur selten (aber nicht nie!) etwas spende, obwohl ich wie viele eine ganze Menge freier Software nutze und damit natürlich der Kostenlos-Mentalität nachgebe. Wenn man etwas ohne Geld zu bezahlen haben kann, nimmt man es eben oft gerne, ohne lange darüber nachzudenken.

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          • Keine Angst, ich will niemanden bekehren oder gar mit derartigem Aufwand zu einem Fan meiner App machen. Es ist eher der letzte Teil des Satzes, auf den ich hinaus wollte („man nimmt es eben oft gerne – das vermeintlich Kostenlose – , ohne lange darüber nachzudenken“).

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    • Dagegen, dass etwas, das ich sage oder tue nicht in meinem Sinne interpretiert bin, bin ich eigentlich nie gefeit. Und auch außerhalb des Internets kann aus einer Äußerung verletztender Klatsch entstehen, den ich kaum geraderücken kann. Ich mag deswegen die Gegenüberstellung von virtuell und real auch nicht so gerne, weil Internet und Rest des Lebens doch mittlerweile so verzahnt sind, das ich auch das, was im Internet passiert als real bezeichnen möchte.
      Manipulation ist etwas, das mir in der Tat Angst macht. Auch die gab es zwar irgendwie schon immer, die Möglichkeiten haben sich aber extrem vervielfacht. Wenn wir jetzt eine Diskussion darüber haben, wie gedankenlos vieles geschrieben und gepostet wird, finde ich das gut.

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    • Schwierig daran finde ich, dass man heute vielleicht nicht wissen kann, was einen übermorgen in Schwierigkeiten bringen kann, insbesondere Jugendliche schätzen da vielleicht das ein oder andere Foto auch mal falsch ein. Einerseits wollen wir natürlich keine Selbstzensur und wollen wohl auch alle nicht, dass das Internet nur noch aus Katzenfotos besteht. Andererseits gibt es immer wieder Fälle, wo etwas spektakulär schief läuft, und z. B. jemand gemobbt oder manipuliert wird. Für mich leite ich daraus eben ab, dass ich nirgends etwas schreibe, zu dem ich nicht öffentlich stehe. Nichtsdestotrotz finde ich es im Grunde gut, dass die Algorithmen doch nicht so perfekt sind – noch zumindest.

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