If I were a book …

Ein Leben ohne Bücher erscheint mir nicht nur sinnlos, sondern ist mir für mich schlicht nicht denkbar. Für andere Menschen schon, wenn einem Lesen keinen Spaß macht, warum sollte man es dann tun? Mit Tonnen an Papiergewichten habe ich zu Jugendzeiten meine Muskeln gestählt, wollte doch allwöchentlich ein dicker Stapel zwischen Heim und Bücherei oder retour transportiert werden. Jetzt, langsam dem Verfall des beginnenden Alters hingegeben, balanciere ich mit schwächer werdender Hand immerhin noch einen E-Book-Reader im Dauerbetrieb.

Soweit mein Leben mit dem Buch. Die, deren Name MAMA sei, hat mir einen Perpektivwechsel vorgeschlagen, nämlich mein Leben als Buch bzw. Buchschreiberin. Keine Angst, hier kommt jetzt nicht die Biographie einer gescheiterten Wissenschaftlerin mit viel zu wenig Urlaub als Fortsetzungsroman, hier kommen meine Antworten auf den Fragenkatalog:

If I were a book, who would read me?

iywab

Du bist nun ein Buch. Unter welchem Genre finde ich dich in meinem Lieblingsbuchladen?

Ich als Buch wäre sicher eine Art literarisches Roadmovie, du würdest mich dann wohl im Bereich Reiseberichte finden.

Ein Buch existiert nicht ohne seine Leser. Wie lautet dein Klappentext, um die Leser neugierig auf dich zu machen?

Puh, jetzt hätte ich die Chance all die albernen Stilmittel, die mir an Klappentexten oft missfallen, nicht zu verwenden. Aber lästern ist einfach, besser machen kann man es deswegen noch lange nicht.

Am Anfang weiß man nie wohin die Reise führt. Wen das Reisefieber einmal gepackt hat, den lässt es nicht mehr los, und eine Faser unseres Herzens ist immer irgendwo unterwegs. Sehen wir eine Landkarte zeichnen wir imaginäre Reiserouten. Um die ganze Welt, egal wie weit oder nah, locken tausende Geschichten, die wir erleben können, wenn wir uns nur trauen und Schritt für Schritt hinausgehen.

In dir stecken viele Persönlichkeiten, mehrere mächtige & schmächtige. Wie heißt dein Protagonist / deine Protagonisten, wenn sie nicht deinen Namen tragen?

Die große Reisende in meinem Buch bräuchte keinen Namen, der täte auch nichts zur Sache. Beim Reisen lässt man sein anderes Leben samt Name und Persönlichkeit ein Stück weit hinter sich und verändert sich, entwickelt eine neue Identität als Reisende. Die Protagonistin würde aber im Laufe der Geschichten von den Nebencharakteren einen Trail Name verliehen bekommen. Der ergibt sich aus einer Begebenheit und entsteht aus einer Situation heraus, so dass er zu Beginn des Buchs unmöglich feststehen kann.

Die Persönlichkeit hängt vom Charakter ab. Nenne drei Eigenschaften von dir, die dich am besten beschreiben und dich dem Leser näher bringen, oder vor denen er zurück schreckt und sich ein anderes Buch schnappt.

Ich kann eine gewisse Hartnäckigkeit an den Tag legen. Aufgeben ist dann nicht und manches muss dann auch mal auf die harte Tour, obwohl man es bequemer haben könnte. Aus der Distanz betrachtet könnte das gelegentlich unterhaltsam sein. Für den Mitreisenden ist es ein hartes Los.

Ich formuliere manchmal sehr undiplomatisch und direkt. Den mir nicht schon sehr gewogenen Leser könnte das abschrecken.

Ich habe einen Hang zur Ehrlichkeit, alle Geschichten in meinem Buch wären wahr. Ich erfinde nichts dazu, würde höchstens ab und an mal was weglassen, um andere Personen zu anonymisieren, oder mich zu schonen.

Ich denke, ein Hauptpunkt wurde vergessen. Oder ist er nicht egal? Du als Buch brauchst schließlich einen Titel. Wie heißt du?

Um die Welt in tausend Geschichten

Es tummeln sich doch schon genug Liebesgeschichten in anderen Büchern. Oder sind es doch nicht genug? Wie sieht es denn in dir drinnen aus?

Eine Liebesgeschichte würde vom wesentlichen ablenken. Meine Reisegeschichten handeln von der Neugier auf Neues, vom Drang nach vorwärts, und auch von der einsamen Ruhe- und Rastlosigkeit. Sie handeln aber alle immer auch von der Liebe zum Draußen- und zum Unterwegssein, von der Liebe zur Natur und zur Landschaft. Das muss genügen, wer gerne Liebesdramen liest, wäre mit mir als Buch nicht glücklich.

Wir trauern, wenn unser Lieblingscharakter in einem Buch stirbt. Er, oder sie, ist uns so ans Herz gewachsen, dass wir nicht anders können. Aber du tust uns das nicht an – oder?

Nein, ich will am Ende meiner Reise schließlich noch leben. Aber unbestimmt verschwinden, in den Sonnenuntergang reiten, in einem Boot den Fluss hinuntertreiben, von einem dunklen Wald verschluckt werden … das wäre schon drin.

Niemanden interessiert dein Titel, dein Klappentext, deine Charaktere oder dein Inhalt. Das Cover ist das einzig wichtige, schließlich muss das Buch auch schön im Regal aussehen. Wie siehst du denn aus?

Mein Cover besteht aus geschickt ineinander übergeblendeten Landschaftsbildern. Da wäre ein stiller See, in dem sich Bäume und Berge spiegeln, die langsam in eine Dünenlandschaft übergehen. Ein Gletscher, der sich zu einer Steilklippe voller Papageientaucher wandelt. Und eine nordische Schneelandschaft mit Rentieren, die zur roten Wüste mit springenden Känguruhs wird.

Es ist alles gesagt und getan. Dem Leser wurde nun eventuell schon durch einen tragischen Tod oder eine aufkommende Liebe einiges vorweg genommen. Doch das macht nichts. Er gibt dir eine Chance, weil er dich ja mögen könnte. Wie sieht es mit deinem Schreibstil aus?

Lakonisch.

Natürlich bist du nicht nur irgendein Buch. Du bist das Buch! Du erscheinst unter vielen verschiedenen Ausgaben und Formaten. Doch nur das Original, ist das wahre. Bist du ein Hardcover, E-Book oder Taschenbuch? Und warum?

Hardcover sind einfach nicht gut, wenn man unterwegs ist, zu sperrig, zu schwer. Daher wäre ich ein Taschenbuch, am liebsten so ein zerknautschtes gelesenes, das im Zelt auch mal als Kopfunterlage herhalten muss, und einen Bookcrossing-Aufkleber trägt. Aber es gäbe natürlich eine E-Book-Ausgabe von mir.

Wenn du ein Buch wärst, wer würde dich lesen?

Alle die gerne vom Sessel aus reisen, sei es um Anregung für eigene Reisen zu sammeln, oder einfach nur, weil es so schön ist, bei heißem Kakao in eine Decke gekuschelt zu lesen, wie die Protagonistin sich durch Kälte und waagrecht fliegenden Eisregen kämpft.

 


So, und was wäre so ein Fragenkatalog, wenn er nicht weitergereicht würde? Wer Lust dazu hat ihn aufzugreifen und auf seinem Blog schon mal den Bestseller des nächsten Jahres zu entwerfen, der greife zu.

Spontan fallen mir diese Blogs ein, an die ich das Stöckchen direkt weiterreichen möchte:

Murphy Bluebird, den ich als Buch sofort kaufen würde.

Roe Rainrunner, die so grandiose Geschichten aus dem Leben erzählt.

Mitzi Irsaj, auf deren Blog sich bereits ein komplettes Universum an Protagonisten tummelt.

Sacking Bob, der das Buch schon schreibt.

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18 Kommentare

      • Ist es nicht eher prophetisch? Ich liebe diesen Spruch – wäre vielleicht auch auf dem Grabstein gar nicht mal so verkehrt.
        Wenn es mich übermannt renne ich auch oft durchs Büro und schreie diese Worte, während ich mit den Armen schwenke. Das kann ich jedem nur empfehlen. Die Blicke, die man sich so einfängt, sind nicht zu bezahlen und es erleichtert einen ungemein. Gerade wenn einem wieder einmal jemand mit Lappalien nervt.

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        • Ich werde es mir mal merken. Allerdings bin ich nicht sicher, ob das hier bei uns Reaktionen hervorrufen würde. Wissenschaftler sind da SEHR hart im nehmen. Um die wirklich zu schockieren brauchte man eher so was wie „Oh mein Gott, es wird nie wieder Kaffee geben!“

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          • Ingenieure stehen auf so was.
            Von Hause bin ich ja auch Wissenschaftler und in meiner Position damit ein Unikat.
            In einem Labor (meiner beruflichen Heimat) stelle ich mir so einen Ausruf allerdings als Basis einer Massenpanik als besonders spaßig vor. Besonders wenn man gerade etwas gefährliches kocht.

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