Von Eifelaugen und Reben

Ach ja, ich war ja eigentlich mal Reisetagebuchschreiberin. Aber das Bummeljahr ist Vergangenheit, und um das Reisen ist es hier still geworden, was daran liegt, dass Tanja seit der Kurzreise nach Lappland weder weit im Norden noch irgendwo anders in der Ferne gesichtet wurde. Aber nun will ich mal berichten, wo und wie ich die beiden Offline-Tage kürzlich verbracht habe, denn auch in der Nähe und in Richtung Westen gibt es schöne Gegenden.

Nämlich an der Mosel und in der Eifel, wo ich fast den Eindruck bekam, dass unsere belgischen und niederländischen Nachbarn dieses Eckchen Erde mehr zu schätzen wissen als wir selbst. Allerdings ist es vielleicht auch ganz gut, dass nicht noch mehr Menschen es aufsuchen, es ist reichlich voll dort, auch wenn man dem Trubel gut entkommen kann; kaum hat man das Moseltal verlassen, wird es beschaulich. Dem positiven Eindruck des Städtchens Bernkastel-Kues sehr dienlich war, dass dort moselnah ein Fest abgehalten wurde, bei dem die Zahl der Weinstände die der Essenstände locker überstieg. Auch Temperatur und Niederschlag waren dem Festbesucher wohlgesonnen, das Abendprogramm war also schnell geklärt.

Dabei war es eines dieser Wochenende, wo man sich als leicht beeinflussbarer Wettervorhersagenjunkie freut, dass man eine Übernachtung gebucht hat, sonst würde man angesichts eben der Wettervorhersage trübe zuhause bleiben und sich ärgern, weil das Wetter dann ja gar nicht so schlecht war.

Den Auftakt machte eine kurze Mosel-hin-Mosel-her-Radtour wohlbesonnt mit Weinschorlen-Pause am Weinstrand. IMG_0500.jpg

Als Hauptprogrammpunkt folgte anderntags die Bezwingung des Maare-Mosel-Radwegs mit Ausgangspunkt Daun in der Eifel. Nicht zu verwechseln mit Dahn in der Südwestpfalz, wo es auch sehr schön ist. Die Radtour begann also mit einer bequemen Busfahrt, die in Daun vor einem Radweg-Hinweisschild endete. Gut beraten war der Reisende, der seinem Fahrrad einen Platz auf dem Fahrradanhänger eines Busses der Linie 300 gebucht hatte. Trotz Busverdopplung waren alle Plätze belegt und Reisende ohne Fahrrad nicht zu sehen. Wer dem Drahtesel keinen Stellplatz reserviert hatte, hatte schlechte bzw. keine Karten.

Zum Einlullen kam zuerst ein Stück Bahntrasse und schnell hatte sich die Menge der dem Bus entstiegenen Rudelradler verteilt. Die einen mussten erst noch der Nikotinsucht frönen, eine größere Gruppe sich überhaupt erstmal sammeln, die anderen dem am Dauner Bahnhof in einem Zugwaggon auf Gäste wartenden Café einen Besuch abstatten.

Was gehört in der Eifel natürlich dazu? Natürlich, ein Seitenabstecher an ein Maar. Wir haben uns für’s Pulvermaar entschieden. Das Pulvermaar ist ein Maar wie aus dem Bilderbuch. Kreisrund mit Krater außenrum. Ein Bilderbuch-Krater zeichnet sich nun dadurch aus, dass er eine Erhöhung darstellt, einen deutlich sichtbaren Rand hat, und es drinnen wieder runter geht. Es war noch früh am Tag, die Höhenmeterbilanz noch jungfräulich und wir guten Mutes. Unsere Hoffnung auf ein kurzes Maarebad war dann aber drinnen und unten recht schnell dahin, weil der einzige Wasserzugang der durch das offizielle Schwimmbad war, und so viel baden wollten wir dann doch auch nicht. Diese Erkenntnis gepaart mit dem Wissen dass drinnen und unten im Krater bedeutet, dass draußen oben ist, ließ etwas Zweifel aufkommen, ob das mit dem Maar-Abstecher wohl wirklich so eine gute Idee gewesen war.

Nun waren wir aber schon drin im Krater und dran am Maar. Also gab es Mittagessen auf dem nebenliegenden Bootssteg, der immerhin zum kühl befeuchteten Baumelnlassen der Füße taugte, und wo zu unserer Unterhaltung ein Familienvater begleitet von den Kommentaren seines Sprösslings das Einparken mit dem Tretboot im Angesicht einer herannahenden Regenfront übte. Pünktlich mit den ersten Tropfen verließen Vater, Mutter, Kind das schwimmende Fortbewegungsmittel, und auch wir machten uns auf in Richung der rettenden Schirme des Schwimmbadkiosks, wo ich uns durch Konsum einer Tasse Kaffee einen Sitzplatz sicherte.

P1060142.JPG

Man rückte zusammen, es tropfte mal hier mal da, die am Boden liegenden Hunde beäugten skeptisch die sich langsam ihren Weg in Richtung Schnauze bahnenden Wasserrinnsale, der Kaffee war leer, der Junge am Nachbartisch bekam die zweite oder dritte Portion fettiger Geflügelteile in Panade, und irgendwann war dann auch gut. Regen hin oder hier, wir waren nicht zum Sitzen hier. Also schon, aber eben zum bewegten Sitzen auf dem Rad.

Das übergeordnete Motto des Tages hieß ab da Regenkleidung an – Regenkleidung aus. Mit einem dem Ziegenkäsekauf gewidmeten und daher recht kostspieligen aber leckeren Zwischenstopp kehrten wir auf unseren gut beschilderten Maare-Mosel-Radweg zurück und blieben den Rest des Tages dort. Mal Bahntrasse, mal auch nicht, mit sehr schön beleuchteten Tunneln und mäßiger Steigung ist er sehr zu empfehlen.

Und an Schildern wurde auch nicht gespart:

P1060144

Am späten Nachmittag schwenken wir ins Moseltal ein und rollen zurück nach Bernkastel, wo die Weinstände des Moselauenfests warten.

Den Epilog bildet tags darauf eine kurze und teils steile Wanderung oberhalb von Bernkastel; Wald, Schiefer, Flussblick, Weinberge, wie man sich das an der Mosel so vorstellt.

Advertisements

3 Kommentare

  1. Na so was, da warst ja auf „unserem“ Radweg unterwegs… das ist einer der schönsten in ganz Rheinland-Pfalz. Und das ganz besondere daran ist, dass ich überhaupt keine weite Anreise hab (grade mal 100 m) Was meinst wie oft ich den schon gefahren bin, von hier nach Daun und zurück oder auch nach Bernkastel-Kues und zurück. 🙂

    Gefällt 1 Person

Was meinst Du dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s