Inspektion

Das kleine, blaue Auto, das ich fahre, bzw. einer der darin eingebauten Computer hat verkündet, dass es nun alt genug sei, einmal offiziell inspiziert zu werden. Völlig unspektakulär, aber eben mit dem Aufwand einer Terminvereinbarung, des Hinbringens, des Abholens verbunden und damit lästig.

Auch der Vorgänger des kleinen, blauen Autos, bei dem es sich ebenfalls um ein kleines, blaues Auto handelte, hatte gelegentlich solche Termine, einer derer dann mit der Diagnose unheilbar endete. Die fanden bei der Autowerkstatt um die Ecke statt, da rief man an, sagte Marke und Modell an, bekam einen Termin, brauchte das Gefährt morgens hin und holte es abends wieder ab.

Da das aktuelle kleine, blaue Auto, nein, das ist nicht sein Name, es läuft im Alltag einfach unter der Bezeichung „mein Auto“, noch sehr neu bzw. jung ist, hatte ich mich zu einem Besuch der entsprechenden Vertragswerkstatt im Nachbarort entschieden. Geldbeutel samt EC- und Kreditkarte verzog sich in diesem Moment in den hintersten Winkel, aber es sollte sein.

Anruf zwecks Terminvereinbarung. Nein, so einfach gehe das nicht, wir sind hier ja nicht beim Zahnarzt, die Kollegin rufe zurück. Nun gut, sie rief tatsächlich zurück. Aber bevor es um so wesentliches wie das Kalenderdatum geht, musste erst einmal geklärt werden, um welches Auto genau es sich handelt, einschließlich langer Zahlenreihen aus den Zulassungspapieren und dem Namen des Werkers, der die Windschutzscheibe montiert hat. Mein diesbezügliches Unverständnis wurde mit gegenseitigem Unverständnis beantwortet. Man denkt, man ruft mal rasch wo an, und ist dann eine halbe Stunde beschäftigt.

Der Tag des Termins ist heute. Ein Herr im weißen Hemd nimmt mein Auto entgegen und schaut, ob noch alles dran ist, was an so einem Auto dran sein sollte. Öffnen der Motorhaube – eine Laubwolke steigt auf und erzeugt trotz der sommerlichen Temperaturen Herbststimmung in der Garage. Er betrachtet das Auto von unten und bescheinigt der Unterseite Gepflegtsein. Ich hätte gar nicht gedacht, dass die A3 so sauber ist, mein Lob an dieser Stelle für Straßen.NRW und Hessen mobil und wer auch immer für das Stückchen in Rheinland-Pfalz zuständig ist.

Also, die Unterseite von Kleinblauauto gepflegt? Ich schaffe es nicht loszuprusten. Ja, ich war schon mal damit in der Waschanlage, kann sein, das da Waschen von unten mit bei war. Von oben sorgt aber eine deutliche Staubschicht dafür, dass kein falscher Eindruck entsteht. Kleinblauauto wird ein Update der Bremssoftware bekommen, was ich fatalistisch zur Kenntnis nehme, und wir plaudern noch ein wenig über Algenbewuchs, Scheibendichtungen und Reifendrucksensoren, die, wie ich lerne, gar nicht den Druck messen.

Verkehrte Welt. Er nimmt sich mehr Zeit für mein Auto als mein Arzt für mich. Und zwingt mich dabei dazu, mir mehr Zeit für mein Auto zu nehmen als ich es je freiwillig täte. Und genaugenommen auch mehr als ich mir für meine Gesundheit nehme. Ich wäre langsam auch alt genug für eine regelmäßige Inspektion, an die mich aber kein Computer so penetrant erinnert, das ich genervt klein beigebe. Was auch wieder sehr schön ist, dass ich nämlich wichtige Dinge eigenverantwortlich entscheiden darf. Fairerweise muss ich auch zugeben, dass der Arzt nicht so viel plaudert, sondern das Gespräch eher im Sinne von Zeiteffizienz führt, was ich gutheiße, und dass er von meiner Krankenkasse dafür deutlich weniger Geld bekommt als der Arbeitgeber des Herrn im weißen Hemd später von mir verlangen wird.

Advertisements

11 Kommentare

  1. Oh ja, ist bei uns auch so. Werkstatt von kleines Auto (und Vorgänger von kleines Auto) guckt auch immer so gründlich. Und spontan Hinfahren ist nur bei Notfall oder Lichtkaputt möglich. Die sind echt durchgetaktet und ausgebucht. Dafür sind sie gründlich und freundlich und frauenkompatibel.
    Gute Fahrt für Kleinesblauesauto
    Ilka

    Gefällt 1 Person

  2. Terminvereinbarung? Was ist das?
    Am Montag vor 10 Tagen mein Auto in der Werkstatt abgestellt nach dem ich vor 3 Wochen den Termin vereinbart habe. 4 Tage später, am Donnerstag Kontrolanruf in der Werkstatt: das Auto noch nicht angeschaut, von Reparatur ganz zu schweigen!! Freitag früh – genauso, und ich muss am langen Wochenende die Möbel transportieren (meine Sozialen Bindungen werden von meinem Bus entschieden beeinflusst: bei jedem Umzug oder Möbelkauf der Freunde und Bekannten bin ich herzlich eingeladen). Freitag, kurz vor Feierabend klingelt das Telefon: ich darf den Bus abholen, bis 14 Uhr (und ich bin dummerweise gerade 250 km weg von Zuhause). Der Bus ist noch nicht repariert, aber er fährt wieder vorwärts und rückwärts und das muss reichen. Zumindest bis nächste Woche. Kostenpunkt: läppische 150 Eier.
    Und ein Kostenvoranschlag über 800.
    Gute Fahrt Euch allen!!!

    Gefällt mir

Was meinst Du dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s