Tag 1 + 366

Ein ganzes Jahr ist es jetzt her, am Freitag 5. Juni 2015 ging es los. Dieser Blog begann und als Nebenprodukt die große Reise. Oder sollte es doch anders herum gewesen sein? Wenn ich es mir genau überlege, war es wohl doch die Reise, die zuerst da war, und die Neugier aller um mich herum, die überhaupt nicht nachvollziehen konnten, wie man auf die Schwachsinnsidee kommen kann, mit dem Fahrrad zum Nordkap zu wollen, führte zum Reisetagebuch. Das half zwar immer noch niemandem, den Grund dafür zu verstehen, trug aber angesichts des überraschend regen Interesses anscheinend zur allgemeinen Unterhaltung bei.

Wie bei jeder offiziellen Grundsteinlegung war die Entscheidung natürlich am Tag 1 schon lange gefallen, an irgendeinem Tag X.  Wie sie zustande kam, war kaum noch rekonstruierbar und die Planung mehr oder weniger minutiös und vollständig abgeschlossen. Nach manchen Maßstäben wohl mehr weniger als mehr mehr, aber für meine Begriffe ziemlich minutiös und ziemlich vollständig. Immerhin war dies eine der, wenn nicht sogar die am intensivsten vorbereitete Reise meines bisherigen Lebens mit einer ungewöhnlich langen Planungsphase und großem zeitlichen Abstand zwischen Entscheidungsfindung und Abreisedatum (alternative Vorschläge zur Kommasetzung in diesem Konstrukt bitte unten als Kommentar eintragen).

Bestandteil der Vorbereitungen waren schließlich schwerwiegende Dinge wie die Kündigung meines Arbeitsverhältnisses und die Anschaffung eines Fahrrads, das braucht etwas Vorlauf und hat auch seine emotionalen Aspekte. Es sei jetzt jedem selbst überlassen, ob er das auf die Kündigung oder den Fahrradkauf beziehen möchte.

Was bleibt?

Erstmal ein schönes Fahrrad, an dem mittlerweile auch endlich die letzten Reiseschäden behoben sind. Darüber hinaus eine Zäsur im Leben, die das Jahr 2015 zum Fixpunkt zur Einordnung anderer Ereignisse in davor und danach macht. Und ein Blog mit einem nicht mehr so gut zum Inhalt passenden Namen, von dem einige sich fragen, wie ich auf die Idee komme, meine Zeit in so etwas Befremdliches zu investieren. Oder anders ausgedrückt, ob mir manchmal langweilig sei. Der meine Familie leicht kopfschüttelnd am Erfolg der mir zuteil gewordenen Ausbildung zweifeln lässt, aber der angesichts des zwar überschaubaren aber überraschend steten Interesses anscheinend immer noch zur allgemeinen Unterhaltung beiträgt. Faszinierenderweise auch zur Unterhaltung mir völlig fremder Menschen. Und natürlich bin ich süchtig nach der Klickstatistik.

Zugegeben, der Nordkap-Effekt hat sich langsam etwas abgenutzt, zu sehen an Blogbeiträgen der Kategorie worüber-ich-mich-heute-sinnlos-aufgeregt-habe, aber ich glaube trotzdem, dass neben vielen schönen Erinnerungen eine Spur Gelassenheit, die man beim Reisen ganz unesoterisch und zwanglos am Wegesrand aufliest, nachhaltig hängengeblieben ist. Die will natürlich regelmäßig aufgefrischt werden. Es  können leider und müssen auch nicht immer zehn Wochen sein. Und so schön Vorfreude ist, auch intensive Planung ist nicht immer nur reines Vergnügen. Diese Jahr wird es kurz(fristig) und knackig. Nach dem Yukon-Paddeln 2014 und dem Nordkap-Radeln 2015 steht sommers 2016 ein weiterer Outdoor-Klassiker im Raum: Um den Triathlon voll zu machen, könnte man ja mal wandern gehen, z. B. ab Oberstdorf über die Alpen.

Oder vielleicht doch woanders?

Was ich als nächstes Großes unternehme, wurde ich letztes Jahr schon auf der Fähre zurück nach Deutschland gefragt. Sollte es etwas sein, was ich für erzählenswert halte, werde ich hier sicher einen Beitrag über das Berichtenswerte veröffentlichen. Das mit der Orientierung klappt im Allgemeinen ganz gut, obwohl Frau kann ich Karten lesen, spätestens sobald wir wieder zurück sind, weiss ich dann auch, wo wir waren.

Manche Menschen finden es ja völlig normal, am Ende des Sommerurlaubs den Termin für Ferien am selben Ort im Jahr darauf festzuklopfen. Vermutlich genießen sie dann ein Jahr lang je nach Gemüt Vorfreude auf den Urlaub oder Erleichterung, dass das schon erledigt ist. Gelegentlich rege ich mich darüber gerne mal sinnlos auf, weil es in einer Kaskade dazu führt, dass andere Menschen, insbesondere Arbeitskollegen, und deren Familien auch mit entsprechendem Vorlauf urlaubsplanen sollen. Mit dem Endergebnis, dass mein Kalender schon lange weiß, wann ich dieses Jahr im Urlaub sein werde, während das Reiseplanungszentrum im Hirn aber noch irgendwo unterwegs ist.

Manchmal fühlt es sich zwar gut an zu wissen zu glauben zu wissen, wo die Reise hingeht. Aber es muss nicht sein. Erstmal ist der Jahrestag ein guter Grund, die Bilder vom letzten Jahr nochmal in Ruhe anzuschauen und sich nochmal zu rückfreuen.

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2 Kommentare

  1. Was die Radtour zum Nordkap angeht: Verrückte Ideen sind oft die besten. Was die nächste große Aktion angeht: Verrücktheit zum Prinzip zu machen geht oft schief. Ein zweites Ding vom Format der Nordkaptour kann gelingen, es ist aber keineswegs ausgemacht, dass es das auch tut. Außerdem kann man ja nicht allzu oft die Arbeit kündigen und sich bis auf Weiteres ins Ungewisse verabschieden, so aufregend man das sonst auch finden mag. Ich hätte für sowas auch gar nicht das Geld. Ansonsten bietet auch das tägliche Leben genug Verrücktes, Abgefahrenes und Bemerkenswertes, um ein Blog zu füllen..

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  2. Spannende Reisen lassen sich mit etwas Vorlauf ja auch bewerkstelligen, ohne gleich zu kündigen. In meinem Fall bot sich das einfach an. Aber über den bürokratischen Aufwand, nicht zu arbeiten, könnte man tatsächlich einiges bloggen. Einfach nur sein ist in den Formularen nicht vorgesehen (Wenn sie nicht arbeiten, dann sind Sie doch arbeitslos? Nein, bin ich nicht, ich arbeite einfach nur nicht.) Das schlimmste daran scheint zu sein, das es dafür keine behördliche Bescheinigung gibt, die man woanders zum Abheften vorlegen könnte.

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