B-Waffen Stufe 2: Einsatzplanung

Es ist wie so oft mal wieder nicht so einfach, wie ich dachte. Mein Balkon hat Läuse und da Kurzrasieren und Shampoo vielleicht bei kleinen Kindern funktioniert, nicht aber bei Pflanztöpfen, stehe ich im Gartenfachmarkt und frage einen Verkäufer nach Marienkäferlarven. Ich stelle mir vor, dass er verständig nickend in die Ecke zu einem Kühlschrank geht, ein kleines Päckchen rausholt und mir voller Sachverstand erklärt, wie ich die lieben Tierchen artgerecht aussetzen muss. Er schenkt mir stattdessen sein allerschönstes Zahnspangenlächeln.Ich wünsche ihm innerlich einen besseren Kieferothopäden als den Sadisten der mich weitgehend ergebnislos mit Drähten, Brackets und Außenbogen gefoltert hat. Seine obere Gesichtshälfte blickt ratlos. Was will die Frau bloß? Er versucht es mit einer Packung von diesen gelben, pappigen Dingern, die man in Blumenkästen steckt. Was der Kunde halt so meinen könnte, wenn er sich in der Pflanzenschädlingsbekämpfungsabteilung absolut unverständlich ausdrückt. Ich weiß, dass ich manchmal in Rätseln spreche und versuche es mit einer weiteren Erklärung: nein, nicht gegen die Marienkäferlarven will ich was sondern die Larven gegen die Blattläuse. Klassisches gut gegen böse. Oder Belzebub gegen den Teufel, das werden wir noch sehen. Die Australier waren mit ihren Kröten auch wenig erfolgreich. Ausgerechnet in die Region mit dem größten Repertoire an giftiger Flora und Fauna holt sich der Mensch eine weitere Giftspritze und mit Ansage geht es natürlich schief. Und man ist beratungsresistent, der aktuelle Renner sollen Herpesviren gegen Karpfen werden. Ja, hallo? Irgendwas gelernt?

Heimische Arten wie Florfliegen und, wenn es denn die richtigen sind, auch Marienkäfer sind aber doch wohl über jeden Verdacht erhaben. Der Zahnspange ist das ganze Thema anscheinend neu. Er ist einsichtig und geht den Kollegen holen. Da Männer ja nicht gerne zugeben, dass sie was nicht wissen, verdient er dafür schon mal Respekt. Aus dem jungen Mann kann noch was werden. Weiterhin viel Glück beim Kieferbrecher! Möge die Damenwelt es honorieren und die Schmerzen vergessen machen.

Vom Kollegen fühle ich mich etwas besser verstanden, aber meine Vorstellung der à la Angelköder in einem Plastikgefäß vor sich hin kribbelnden Larven war wohl etwas naiv. Ich könnte jetzt ein Bestellset kaufen und die Tierchen damit wie zu Zeiten von Omas Quellekatalog per Postkarte bestellen. Ah ja. Naja. Nagut. Ich verschiebe das.  Ich kaufe stattdessen schon mal Ameisenköder, die ausbeuterischen Massentierhalter müssen auf jeden Fall verschwinden, sonst kommen die Käferlarven ja nicht zum ungestörten Fressen. Und ich will keine unmoralischen Stellverteterkriege in meinen Blumenkästen.

Zuhause starte ich die Recherche. Noch sind es nicht so viele Blattläuse. Ich frage mich, ob die kleinen Räuber davon überhaupt satt werden. Aber die Erfahrung sagt, dass die ganz schnell mehr werden. Aber die Larven wollen nicht nur fressen, sie wollen auch wohnen, zumindest wenn sie dann erwachsen und zur hellgrünen Schönheit oder zum kugeligen rot-schwarzen Sympathieträger transformiert sind. Ich brauche also ein Insektenhotel mit geeigneter Möblierung. Meine Lieblingsbastelanleitung habe ich schnell gefunden: kaufe ein Netz Zwiebeln, schneide es auf, mach mit den Zwiebeln was du willst, füll das Netz mit Tannzapfen, tacker es zu und häng es auf. Fertig ist die Florfliegenlaube. Kann ich! Das ist der Plan B , vorläufig schwebt mir etwas professionelleres vor.

Sobald der Hotelbau fertig ist dann hier zu lesen: Die Killerlarven aus dem Briefkasten

 

 

 

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