Der Doppelpack

Das Dasein als Paar ist zwar allgemein Ansichtssache, in manchen Situationen erscheint das Paar jedoch als die perfekte Lebensform. Beim Sockenkauf zum Beispiel. Davon nehme ich immer gerne zwei gleichzeitig, am besten zusammenpassende, da bin ich sehr konventionell.Verlorengehen oder durchlöchern tun sie grundsätzlich einzeln. Sonst würde es mir ja gar nicht auffallen. Einzeln nachkaufen hat wenig Reiz, was wollte ich schon mit einer individuellen nicht-verwaschenen, nicht halb-durchgelaufenen Neusocke, aber bei mehreren baugleichen Paaren im Schrank ergeben sich dennoch Zukunftsoptionen. Ab und zu sortieren hilft dann. Psychologin Inez hat dieses Thema bereits humorvoll aufgearbeitet.

Nett sind auch diese neongelben Klettbänder, um beim Radfahren das Hosenbein um den Knöchel zu kletten. Irgendwann ist eins davon weg, aber weil ich schon vom Anschauen eines Fahrrads irgendwo Kettenschmierflecken habe, will ich zwei davon. Manchmal gibt’s die auch einzeln käuflich zu erwerben und mit meiner Sammlung diverser Einzelstücke komme ich gut klar. Ich trage die ja nicht wegen der sondern gegen die Optik, also die der zufallsverteilten Kettenschmierflecken.

Auch bei billigem Kleinkram mit hoher Verlust- oder Verschleißrate hadere ich nicht jedes Mal damit, dass es das im Mehrfachpack gibt. Haarklämmerchen zum Beispiel. Eine Statistik dazu habe ich nicht parat, aber im Dauergebrauch halten die nicht allzu lange, da kann man auch vier gleichzeitig kaufen. Haarfreies Essen ist einfach leckerer. Manchmal kann man sich so einen erzwungenen Doppelkauf mit jemandem teilen, vielleicht hat der Nachbar Verwendung für den zweiten Backpinsel oder was auch immer.

Zurück zum Fahrrad. Ersatzlaufrolle für den Nabendynamo? Ja, meinetwegen auch zwei, vielleicht weiß ich dann in zwei, drei Jahren noch, wo ich die bevorratete hingeräumt habe.

Ernsthaft lästig wird es aber bei Ersatzteilen, die nicht ganz so preiswert sind. Schutzbleche zum Beispiel. Ich bin nicht so für’s Gewichtsparen am Fahrrad aber für Komfort, also her mit den Teilen. Nur sind die deutlich teurer als Haarklämmerchen und Hosenklettbänder. Ich verstehe auch, das man beim Zusammenbau eines neuen Rads ein vorderes und ein hinteres davon auf einmal kauft. Und sich dann freut, wenn die im Doppelpack genannt „Set vorn und hinten“ ankommen, schön zusammenpassend.

Aber wer glaubt eigentlich, dass die dann auch gleichzeitig kaputtgehen, bloß weil sie gleichzeitig drangeschraubt wurden? Bei mir tun sie das jedenfalls genausowenig wie rechter und linker Socken. Zwei Fahrräder mit gleicher Radgröße erhöhen zwar die Wahrscheinlichkeit, es passiert aber trotzdem nicht. Dementsprechend fiel einst ziemlich unvermittelt beim Queren einer Bordsteinkante ein Stück eines aus Plastik gefertigten vorderen Schutzblechs auf den Gehweg. Kabelbinder war da auch schon länger im Spiel, ein Ersatz wäre also kein Luxus gewesen. Ich hoffte auf den freundlichen Inhaber des freundlichen Fahrradladens. Der könnte mir doch die Hälfte eines Sets verkaufen, meinetwegen sogar für mehr als 50% des dafür vorgesehenen Preises. Mit der anderen Hälfte kann er vielleicht nächste Woche einen Kunden glücklich machen. Könnte er. Will er aber nicht, der doofe Verkäufer vom doofen Fahrradladen. Auch nicht im anderen Fahrradladen. Und auch nicht im dritten. Was es im Laden nicht gibt, findet sich aber doch bestimmt in der schönen Welt des Internets. Gesucht im 1-2-3-Auktionshaus, gefunden? Fehlanzeige.

Es war ein nicht so großes Stück, das da in Bruchstücken den Weg in den nächsten Mülleimer gefunden hatte, so dass die Funktionalität immer noch gesichert war, und es war zumindest kein ausreichender Grund, den Keller mit einem nicht benötigten Ersatzteil zuzumüllen. Ein paar Monate später:  Das Reiserad braucht auch ein neues Schutzblech, aber ätsch, andere Radgröße, und wieder vorn. Aber diesmal ist der Austausch dringend nötig, auch wenn der Kabelbinder mehrere Wochen lang treue Dienste geleistet hat, sonst endet der Fahrer ab sofort nach jeder Radtour außerhalb einer mehrtägigen Trockenperiode als Streifenhörnchen. Ich füge mich in mein Schicksal, und ein sperriges Ersatzteil modert im Keller vor sich hin.

Liebe Autofahrer, falls jemand demnächst eine Kollision beabsichtigt, bitte nochmal überdenken, ob es unbedingt sein muss, und wenn doch, dann bitte nur ans Hinterrad fahren. Aber ganz vorsichtig.

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