Frühlingstrommelwirbel

Vor einigen Tagen war das erste Geräusch, das es morgens in mein Bewusstsein schaffte, ein lautes Trommelstakkato, das mühelos das morgendliche Rauschen der Großstadt übertönte. Unermüdlich trommelten Herr oder Frau Specht auf der Suche nach dem  anderen Geschlecht. Also nicht das gemütliche tock-tock-tock auf der Suche nach der Made Kinde sondern laut und Hallo-hier-komm-ich. Dass Spechte das machen, wusste ich lange gar nicht, erstmals gezeigt hat es mir mal ein finnischer Buntspecht, der unermüdlich eine nicht mehr ganz festsitzende, gut schwingende Metallplatte bearbeitete. Gerade höre ich es fast jeden Morgen und freue mich über den akustischen Frühlingsboten.

Ist eigentlich komisch. Von Winter konnte in den letzten Monaten ja nicht allzu ernsthaft die Rede sein, zumindest in den Teilen Deutschlands, in denen ich mich so bewege. Bisschen frostig mal am Morgen, ja auch Schnee, aber immer nur kurze Episoden. Und um wenigstens eine Woche Schnee zu genießen, fahren wir kommende Woche extra noch weit nach Norden. Trotzdem sind solche Frühlingsahnungen richtig schön. Zuerst, wenn’s im Januar schon mal frühjährlich riecht, und später die ersten stadtlichtgestörten Piepmätze zwitschern, der erste bunte Star irgendwo flötet, oder eben im Februar der Specht laut trommelt. Die Schneeglöckchen sind schon lange da, und fast täglich tauchen neue grüne Frühlingsboten auf.

Der Herbst schleicht sich auch so leise an, wenn es an einem kühlen Septembermorgen zum ersten Mal leicht herbstlich duftet, tagsüber aber noch sommerlich warm wird. Wenn der erste Gelbschimmer im Laub auftaucht, und die Schwalben zur Grüppchenbildung aufrufen. Versüßt wird der Abgang des Sommers mit leckerem Obst und Gemüse und anfangs ist die Aussicht auf so einen düsteren, nebligen Novembersamstag zum Rumtrödeln bei gepflegter Herbstmelancholie auch noch ganz heimelig. Im Februar hat es sich damit aber lange erledigt und ich habe lange genug vom Suddelwetter.

Jetzt lockt der Frühling mit der Verheißung von Bärlauch, frischen Kräutern vom Balkon und bunten Tulpen und Krokussen. Und all das erschafft vor meinem inneren Auge der Specht mit seinem Trommelwirbel.

 

 

 

 

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