Tag 51 – Noch einmal Nordküste

Als ich morgens aus dem Zelt schaue, hat sich nicht viel verändert. Etwas heller ist es. Es ist windig geworden, aber der Nebel hängt davon unbeeindruckt an den Bergen fest. Natürlich steht das gestern Nacht bei Windstille aufgebaute Zelt jetzt mit dem Eingang zum Wind. Woher auch hätte ich wissen sollen, woher der heute Morgen weht.  Als ich alles gepackt habe, stelle ich das Rad noch einmal ab, und krach bricht der Ständer glatt in der Mitte durch, und das Rad liegt samt Gepäck am Boden. Immerhin ist es weich gefallen die Moospolster sind schön dick. Ab sofort muss ich es also immer anlehnen. Dumm das, vor allem in einer Gegend ganz ohne Bäume. Jetzt ist daran aber nichts zu machen, eine Chance auf einen Fahrradladen sehe ich frühestens in drei Tagen. Wenigstens meine beim Kauf geäußerten Vorurteile gegen den Hersteller sind bestätigt.

Die Küstenstraße ist wunderschön, erst recht, wenn die Sonne es doch mal durch den Nebel schafft. Die Landschaft ist völlig anders als auf Magerøy.

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In Kongsfjord ist an der Straße ein kleiner Laden, der so nett aussieht, dass ich hier einfach Pause machen muss. Drinnen gibt es Lebensmittel, Trödel, Souvenirs. Und ich setze meinen letzten 50-Kronen-Schein in eine Waffel mit Kaffee um. Das ist fast der letzte Rest meiner norwegischen Barschaft. Ich habe jetzt noch 26 Kronen. Aber Waffel klingt einfach zu verlockend. Wofür soll ich hier oben schon Geld brauchen?

Hinter dem Ort geht es das herrliche Tal des Kongsfjordelva hinauf. Die Sonne kommt heraus, und es geht stetig bergauf. Ich kann wieder die dünne Jacke und die kurzen Handschuhe anziehen. Oben über das Fjell und das nächste Flusstal wieder hinunter bis ans Ende des Tanafjords. Es wird warm, es gibt wieder Bäume, später Kühe statt Rentiere und Wiesen. Kühe! Im ersten Moment bin ich fasziniert, weil ich seit Südschweden keine mehr gesehen habe. Und es gibt auch wieder Mücken. Die hatte ich nicht vermisst.

Gestern hatte ich noch das Gefühl, die Warterei in Honningsvåg und die Schiffahrt seien vielleicht Zeitverschwendung, aber jetzt bin ich froh, dass ich auf dieser Halbinsel nach Süden fahre. Es ist wunderschön hier und sehr abwechslungsreich. Und a propos Süden: ab sofort bin ich auf dem Heimweg, wo auch immer er genau war, der am weitesten von zuhause entfernte Punkt liegt jetzt hinter mir. Reisespätsommer sozusagen.

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