Tag 50 – Hurtigruten

Die gestrige Wanderung wirkt nach. Beim Laufen beansprucht man Muskeln, von denen ich gar nicht mehr wusste, dass ich sie habe. Ich habe diffus leichten Muskelkater, und mein rechter Oberschenkel besteht beim ersten Trepperuntergehen nur aus Schmerzen. Auch das rechte Knie protestiert vernehmlich. Hoffentlich sieht mich keiner. Zum Glück gibt sich das nach den ersten Schritten, und es ist heute sowieso Schonung angesagt.

Nach einer erholsamen Nacht in einem Bett (!) falle ich heuschreckenartig ins Frühstücksbuffet ein, packe meine frisch gewaschene Wäsche zusammen, kaufe für die nächsten drei Tage ein und fahre ins übersichtliche Zentrum von Honningsvåg. Da ist morgens noch nicht viel los. Die ersten Touristen tauchen erst mit dem Hurtigrutenschiff auf, das um 11:30 ankommt. Ich bummele also den Hafen entlang, mache viele Fotos, und kaufe noch ein Souvenir zum An-die-Wand-hängen, dessen fahrradtaugliche Verpackung mir noch Kopfzerbrechen bereitet. Als das Hurtigruten-Schiff angelegt hat, kaufe ich meine Fahrkarte und weiß gar nicht wohin vor lauter Zeit, das ist ein sehr ungewohnter Zustand. So viel hat Honnigsvåg nun doch nicht zu bieten.

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Das Schiff fährt mit etwas Verspätung ab, die Fahrt geht nach Osten, vorbei am Nordkinn, dem nördlichsten Punkt des Festlands. Das Nordkap liegt ja auf einer Insel. Zum Nordkinn geht aber keine Straße, hin und zurück ist eine zwei- bis dreitägige Wanderung, die sehr schön sein soll, aber das ist auf dieser Reise leider nicht drin. Ich habe noch nicht einmal einen Tagesrucksack dabei.

Die Fahrt zieht sich ganz schön in die Länge, und ab und an ist mir auch ein bisschen flau, ich bin leider nicht seefest. Nach einem sonnigen Nachmittag kommen schon wieder Wolken, später dann Nebel. Da geht sie dahin, meine wohl letzte Chance auf die Mitternachtssonne. Ich finde den Nachmittag auf dem Schiff ziemlich langweilig. Kreuzfahrt steht auf dem Urlaubszettel bei mir nicht sehr weit oben. Bei der Ankunft gegen 22:30 in Berlevåg ist es düster und neblig. Kaum sind ich und ein Auto samt dessen Fahrer ausgeladen, fährt die Richard With weiter. Ich schaue ihr nach, und fühle mich ein bisschen ausgesetzt, wie ich da mittlerweile einsam und verlassen, das Auto ist schon lange weg, an der Mole stehe.

Fast jeder Nordkapradler behauptet, mal eine Nacht durchgefahren zu sein. Bin ich bisher nicht, schiene jetzt die Sonne, würde ich das heute aber vielleicht sogar wirklich tun. Ich bin ausgeruht, auch wenn ich auf dem Schiff nachmittags leider nicht schlafen konnte. Aber schon nach 5km Nebel ist es mir doch einfach zu trist, und ich baue in Sichtweite zum Leuchtturm Kjølnes das Zelt auf und schlafe bei Meeresrauschen ein.

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